Rasnoobrasie – Berlin – Казань


Mittwoch, 19. Dezember (Philipp)
28 Januar 2008, 9:02 pm
Filed under: Unser Archiv

Nachdem sich die Berliner Gruppe und unsere Gäste aus Kasan im Seminarsaal in der alten Feuerwache eingefunden hatten, begannen wir sogleich mit unserem strammen Programm für den Mittwoch, an dem wir den aufwendigen und umfangreichen Geschichtsteil der Konferenz abschließen wollten. Als erstes hielt Mieste einen Power-Point unterstützen Vortrag über das Tatarenbild in Mittel- und Osteuropa, bei dem er auf den historischen Verlauf ausführlich einging.

Um 1015 übernahm dann Venera Vagizova-Gerassimov, die Chefredakteurin der tatarischen Zeitschrift Altabash und Vorstandsmitglied von Tatarlar Deutschland. Sie berichtete auf Russisch über das Musa Dschalil Gedenkjahr 2006 und die Maßnahmen, die in Deutschland von verschiedenen Organisationen dazu unternommen wurden. Frau Vagizova-Gerassimov schilderte ebenfalls die Kasaner Perspektive dazu, denn sie lebt zwischen den Städten und kennt beide Seiten gut.

Ein besonderes Augenmerk legte sie am Ende ihres langen Vortrags auf die Sprachenpolitik, die ihrer Meinung nach heute in Tatarstan ein Problem darstellt, was mit der Schulreform zu tun hat. Das Anschneiden der politischen Aspekte führte zu einer lebhaften Diskussion an der sich die Kasaner Teilnehmer und die in russisch Bewanderten der Berliner Gruppe beteiligten. Diese wurde mitunter scharf geführt und dehnte sich über den ganzen Vormittag bis 1215 aus.

Das gemeinsame Mittagessen fand im Restaurant der Alten Feuerwache statt, in dem wir vorher verschiedene Gerichte nach den Geschmäckern der Teilnehmer bestellt hatten. In angenehmer Atmosphäre speisten wir zusammen und gingen dann um 1330 zum Nachmittagprogramm über.

Wir wollten dabei den Geschichtsteil unserer Konferenz mit einer Diskussion über die Erinnerung an Musa Dschalil abschließen, was sich als höchst problematisch erwies. Zunächst erörterten mehrere Mitglieder der Berliner Gruppe die Erinnerung in der Sowjetunion. Nach einer guten halben Stunde meldeten sich einige Studenten der Kasaner Gruppe zu Wort, dass die die Zuschreibungen seitens der Deutschen nicht akzeptieren und begannen energisch auf russisch und teilweise englisch ihre Eigensicht darzustellen. Einige Berliner schalteten sich mit ein und versuchten eine Gegendarstellung zum Ausdruck zu bringen. Es begann eine kontroverse, teils emotional geführte Debatte, die über eine Stunde währte, ohne zu einem nennenswerten Ergebnis zu kommen. Wir machten eine ausgiebige Pause um jedem zu erlauben, sich zu sammeln.

Wir erkannten schließlich, dass unser Streitgespräch einer Moderation bedurfte und wollten nun die Themen und Diskussionsbeiträge ordnen. Robert erläuterte das Konzept der Histographie und stellte klar, warum Musa Dshalil als Beispiel gewählt wurde. Die Kasaner gaben ihre Sichtweise über die Erinnerung an den tatarischen Poeten wieder, beschwerten sich aber, dass die Erinnerung an den Krieg in Deutschland ihrer Meinung nach unzureichend behandelt wurde. Da die Zeit schon fortgeschritten war, einigten wir uns darauf diese Lücke am Samstag zu schließen.

Im Anschluss darauf fingen wir mit dem zweiten Themenblock der Konferenz an, die Migration. Hierzu bereiteten Peer und Agnieszka Vorträge zur Statistik und Rechtslage der Migranten vor, die zeigten, dass die Migrantenproblematik aktuell eine sehr große Dynamik aufweist. Wir stellten fest, dass die Bundespolitik das Phänomen Migration erst seit Kurzem wahrnimmt und darauf reagiert.

Gerade zur rechtlichen Situation von Migranten in Deutschland traten bei den Kasaner Projektpartnern viele Fragen auf. Wir diskutierten intensiv bis wir schließlich das Programm um 1940 beendeten.

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Vortrag Integration
24 Oktober 2007, 11:00 am
Filed under: Unser Archiv

Vortrag: „Soziolinguistische Besonderheiten der Integration von Deutschen aus den Ländern der GUS in Deutschland anhand von Beispielen aus der Stadt Speyer (Rheinland-Pfalz)“

Teile:
1.Migration und Integration in Deutschland und Rheinland-Pfalz
2.Der Vorfall Alexeij Schneider
3.Multikulturelles Radio Rasik.de
4.Gedanken zur Migration

1. Migration und Integration in der Bundesrepublik Deutschland und Rheinland-Pfalz
Der Prozess der Migration zieht sich durch die gesamte Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Bereits in den Nachkriegsjahren galt es über zehn Mio. Vertriebene unter schwierigsten Bedingungen zu integrieren, wovon ca. acht Mio. Flüchtlinge in die Westzonen drangen, die bald heimisch wurden. Ihre Arbeitskraft wurde in den Jahren der Wirtschaftswunderzeit dringend benötigt, was ihr Einbeziehen die gesellschaftlichen Prozesse erleichterte.
In den 50ern und 60ern wurden verstärkt Gastarbeiter aus Südeuropa nach Deutschland geholt, um die florierende Industrie weiter aufzubauen. Ab den 60er Jahren lud man Gastarbeiter aus der Türkei ein, die heute bereits maßgeblich das Bild Deutschlands veränderten. Anfänglich planten viele der Gastarbeiter nach ein paar Jahren der Arbeitsaktivität in der Bundesrepublik wieder in ihre Länder zurückzukehren, jedoch viele nahmen sich dem attraktiven Leben in Deutschland an, holten ihre Familien nach und siedelten sich dauerhaft an. Einige von ihnen, vornehmlich die Kinder der Migranten, die komplett in der deutschen Lebenswelt aufwuchsen, erwarben die deutsche Staatsbürgerschaft und sind heute ein fester Teil der deutschen Gesellschaft.
Eine weitere Welle der Migration setzte Ende der 80er Jahre mit den so genannten Aussiedlern ein. Die offizielle Bezeichnung „Aussiedler“ gilt für Menschen deutscher Volkszugehörigkeit und deren Angehörige aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks, die sich entscheiden nach Deutschland überzusiedeln, was ihnen per Artikel 116, Abschnitt 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik zusteht.
Der Prozess der Migration der Aussiedler hält bis heute an, begleitet von zahlreichen Problemen. Die ersten Aussiedler Ende der 80er Jahre konnten ohne Auflagen nach Deutschland einreisen, was sich als schwierig herausstellte, denn ohne sprachliche Voraussetzungen blieb die Integration nur ansatzweise. Zudem hatte sich das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik Ende der 80er Jahre abgekühlt, so dass die Jobmöglichkeiten bei zwei Millionen Arbeitslosen begrenzt waren.
Die Migration der Aussiedler wurde durch den Prozess der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten überlagert, der selbstverständlich höchste Priorität erhielt. Gewaltige Anstrengungen waren notwendig, um das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland zu bewerkstelligen, das bis heute noch nicht komplett abgeschlossen ist. Die Wiedervereinigung veränderte die Rahmenbedingungen für den Erhalt und die Entwicklung des Sozialstaates, der durch immer mehr Menschen im Rentenalter, aber vor allem durch eine gravierende Arbeitslosigkeit, bedingt durch die Wirtschaftstransformation, stark angespannt wurde. Unter diesen Bedingungen verkomplizierte sich die Ausgangslage zur Integration von Aussiedlern.

Heute, fast 20 Jahre nach dem Beginn der Migration der Aussiedler, kann man nicht von einem abgeschlossenen Prozess sprechen. Immer noch kommen Menschen mit deutschen Wurzeln in die Bundesrepublik. Ebenfalls sind die Aussiedler nicht spurlos in der deutschen Gesellschaft aufgegangen. Vielmehr bilden sie wahrnehmbare Fragmente im gesellschaftlichen Gewebe, das sie durch ihre kulturelle Eigenheiten um- und mitgestalten.
Um einige Aspekte der gegenwärtigen Situation der Aussiedler zu schildern, möchte ich über zwei Beispiele aus meiner Geburtsstadt Speyer im Südwesten Deutschlands berichten. Die Stadt Speyer liegt am Rhein im Bundesland Rheinland-Pfalz, das in diesem Jahr das sechzigste Jubiläum feierte. Da hier nach dem Krieg französische Soldaten Dienst hielten, hatte Rheinland-Pfalz keinen Bezug zur russischen Kultur, wie es in der sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands der Fall war. Mit Russland kamen die Rheinland-Pfälzer eben gerade durch die Russlanddeutsche in Kontakt, durch jene Menschen die die ehem. UdSSR verließen um in Deutschland zu leben.
Die Aussiedler brachten ihre kulturellen Ausprägungen nach Deutschland mit. Dazu gehörten sowohl Gegenstände der materiellen Kultur, als auch orale Ausdrucksformen wie Lieder, Legenden, Sagen und Märchen mit, die untrennbar mit der russischen Sprache verbunden sind. Oft war es so, dass Aussiedler überhaupt erst Deutsch in Deutschland lernten und einige bis heute in ihrer Familie auf Russisch reden. Für sie ist die Russische Sprache eine Ausdrucksform ihrer kulturellen Identität.

2. Der Vorfall Alexeij Schneider
Am frühen Morgen des 16. Juli diesen Jahres ereignete sich in Speyer ein schwerer Zwischenfall an dem die Polizei und der 19 Jahre alte Russlanddeutsche Alexeij Schneider beteiligt war, der für den jungen Mann tödlich endete. Alexeij, der bereits ein langes Vorstrafenregister hatte, flüchtete vor einer nächtlichen Polizeikontrolle und geriet in eine Verfolgungsjagd. Als sein Auto zum Halten gezwungen wurde, widersetzte er sich der Festnahme und fuhr einen Beamten an, der schwer verletzt wurde. Sein Kollege zog seine Waffe und stoppte Alexeij Schneider durch zwei Schüsse in den Oberkörper. Ein paar Stunden später erlag dieser seinen Verletzungen im Krankenhaus.
Nach diesem Vorfall brach in Rheinland-Pfalz eine öffentliche Debatte um die Integration von Aussiedlern los, die bisweilen auf das Schärfste geführt wurde und zahlreiche Klischees die Russlanddeutschen betreffend wieder aufkochte.
Schnell wurde gefordert, dass kriminelle Russlanddeutsche wieder ihren Pass abgeben und zurückgeschickt werden sollten. Solche Leute seien es nicht Wert in der Deutschen Gesellschaft zu leben. Teilweise wird Russlanddeutschen nachgesagt, dass sie trinksüchtig und faul wären und somit schnell auf die falsche Bahn geraten können. Behauptet wird, dass Aussiedler mit unter keinen Schul- oder Berufsabschluss hätten, aber eine Menge Geld machen würden, dass aus illegalen Geschäften stamme.
Dies ist jedoch genau ein Punkt, an dem man ansetzen und nachhaken kann. Aussiedlerkinder machen in der Schule die Erfahrung gehänselt und benachteiligt zu werden, was vor allem mit Sprachproblemen zusammenhängt. Viele haben dadurch nicht die gleichen Möglichkeiten einer beruflichen Qualifikation als Jungendliche ohne Migrationshintergrund. Manche fühlen sich als Bürger zweiter Klasse.
Dazu kommt, dass die sowjetischen Diplome nicht anerkannt werden und somit erst eine Zusatzausbildung nötig ist, bevor jemand in einem qualifizierten Beruf arbeiten kann, was vor allem ältere Aussiedler hart trifft, die sowieso schon auf dem Arbeitsmarkt schlechter gestellt sind.
In Speyer kam es nach dem Tod Alexeij Schneiders zu Demonstrationen und öffentlichen Sympathiebekundungen zum Verstorbenen, bei denen gegenseitige Beschimpfungen und Beleidigungen ausgetauscht wurden. Es wurde sich auch rassistischer Parolen bedient. Auf der anderen Seite hörte man Stimmen aus dem Lager der Aussiedler, es sei Mord gewesen und man plane einen Racheakt gegen die Polizei.
In der Tat herrschen viele gegenseitige Vorurteile vor. Als ich selbst noch in Speyer zur Schule ging, riet man mir ab nach Speyer-Nord zu gehen, wo mehrere Tausend Aussiedler in räumlicher Segregation zu den einheimischen Speyerern wohnen. Dort werde man von „den Russen“ nur angepöbelt und verprügelt.
Auf Seiten der Aussiedler ist es eine zutiefst enttäuschende Erfahrung, in der UdSSR für seine deutsche Nationalität gesondert behandelt, bestraft oder gar getötet worden zu sein und in Deutschland erneut benachteiligt zu werden. Indem sie in den Ländern der GUS als „Deutsche“, aber in Deutschland als „Russen“ angesehen werden, müssen sie ihre kulturelle Identität im hybriden Raum zweier Welten zu verorten versuchen. Diese ist keinesfalls vorgefertigt oder –definiert, sondern wird neu ausgehandelt, ein Prozess, in dem sich vor allem Jugendliche verstärkt durch ihre individuelle Entwicklung befinden.

3. Multikulturelles Radio Rasik.de
2002 ging in Speyer aus einer Initiative, die russlanddeutsche und einheimische Jugendliche zusammenbringen sollte, das deutsch-russische Radioprojekt Rasik.de, Radio Sloshnaja Kompanija hervor. In dieser Radiostation arbeiten Jugendliche aus verschiedenen Gruppen zusammen ein Programm aus, führen Interviews durch, stellen Berichte zusammen und mischen auch selbst produzierte Musik. Auf Radio Rasik.de wird deutscher und russischer Rap und HipHop, heute ein wichtiger Teil der Jugendkultur gespielt. Die Moderation ist konsequent zweisprachig.
Das Internetradio wird pro Sendung 40.000-mal abgerufen. Täglich wird die Seite 3.000-mal aufgerufen, was auf einen hohen Bekanntheitsgrad weist. Die Redaktion unterhält gute Kontakte zu den Künstlern, die ihre neuen Tracks im Radio präsentieren und interaktiv mit den Usern diskutieren. Somit wird Speyer ein Zentrum russischsprachiger HipHop-Musik in Deutschland.
Selbsternanntes Ziel von Rasik.de ist die Integration junger Aussiedler in die deutsche Gesellschaft über die Musik, was durch das gegenseitige kennen Lernen erreicht werden soll. Rasik.de ist interaktiv ausgerichtet, was darin besteht die Hörer mit einzubeziehen, die per Email ihre Grüße, Wünsche und Kritik einreichen. Nicht nur die Macher stammen aus verschiedenen Kulturen, auch die Hörer sind über Europa und die GUS verstreut. Auch Sozialverbände und die Politik nehmen Rasik.de war und honorieren den sozialen Einsatz mit Preisen und Auszeichnungen.

4. Gedanken zur Migration
In den Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen einer heterogenen postmodernen Gesellschaft nimmt die Sprache eine Schlüsselrolle ein. Sie ist das Instrument mit dem Konflikte ausgetragen und Konstanten durch Sprachspiele, die auf den Urvater des linguistic turns Ludwig Wittgenstein zurückgehen, permanent redefiniert werden.
Ein Radioprojekt ist meiner Meinung nach sehr gut geeignet die Integration zu fördern. Radio als akustisches Medium basiert auf der gesprochenen und gesungenen Sprache. Sie ist neben ihrem instrumentellen Wert mit kulturellen Eigenschaften besetzt.
Ein Radioprojekt wie Rasik.de demonstriert die Multilingualität und -vokalität der Gesellschaft in Deutschland. Einerseits lässt es Aussiedlern Artikulationsfreiräume, anderseits zeigt es Ausdrucksformen künstlerischen Schaffens von Migranten den restlichen gesellschaftlichen Gruppen. Es macht Migranten wahrnehmbar, hilft somit einen Eindruck zu vermitteln und Vorurteile abzubauen. Der öffentlich zugesprochene Stellenwert der russischen Sprache verändert sich von einer angenommenen defizitären Sprachform, die Aussiedler wählen, da ihr Deutsch unzureichend ist zu einem kreativen Reservoir, aus dem künstlerische Repräsentationen geformt werden. Meiner Meinung nach fördern solche Projekte die Akzeptanz von Minderheitensprachen in Deutschland ungemein.

Integration ist ein laufender Prozess, der immer wieder neu gesellschaftlich ausgehandelt werden muss. Er besteht darin Bedingungen zu schaffen, die das Zusammenleben der Menschen in einem Staat ermöglichen. Dessen Entwicklung zielt auf alle Seiten, indem einerseits Migranten den vorgefundenen Gesellschaftszustand kennen lernen und in ihm eine Existenzmöglichkeit in Koordination mit den gegebenen Umständen erarbeiten. Andererseits müssen sich die bisherigen Gesellschaftsgruppen auf die Migranten einstellen und ihren Raum zur Entfaltung eröffnen.
Der französische Philosoph Jean-François Lyotard weist darauf hin, dass die Gefahr droht, dass an diesem Dialog in den postmodernen Wissensgesellschaften des 21. Jahrhunderts nicht alle Gruppen angemessen werden. Das Ziel der Integration in der Postmoderne muss meiner Meinung nach sein, in der Akzeptanz eines heterogenen Gesellschaftsgefüges eine gemeinsame Grundlage dialogisch konstruieren, auf der alle Gruppen in gegenseitiger Toleranz sich eigene Gestaltungsräume erschließen können. Gesellschaftskonzeptionen hängen nicht an konkurrierenden Identitätsblöcken fest, sondern erschließen sich dialogisch im hybriden Raum zwischen diesen, worauf Homi Bhabha hinweist. Ein gesellschaftlicher Dialog, an dem alle Gruppen beteiligt sind, ist notwendig um eine akzeptable, offene und chancenreiche Zukunft zu gestalten.



Erinnerungskultur an den Großen Vaterländischen Krieg / Культура воспоминания Великой Отечественной Войны
16 Mai 2007, 6:56 pm
Filed under: Diskussion

Mit diesem Blog-Beitrag, ja, er ist doch schon eher ein Essay geworden, möchte ich die Diskussion um die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg/Großen Vaterländischen Krieg eröffnen. Hierzu möchte ich einige ethnographische Beobachtungen schildern, die ich während meines Besuches in Russland machte. Ich schreibe selbstverständlich aus meinem eigenen Blickwinkel (als Deutscher, Pfälzer, Ethnologe, Turkologe,…) und formuliere bewusst scharf. Kritik ist erwünscht. Ich hoffe, dass ich damit niemanden verletze sowie dass ich eine lebhafte Diskussion anregen kann.

 

Der Den’ Pobedy wurde gerade gefeiert. Ich selbst habe die Feierlichkeiten nicht mehr mitbekommen, da ich bereits am dritten Mai zurückgeflogen bin, jedoch habe ich die weit reichenden Vorbereitungen beobachtet. Bereits über eine Woche vorher wurde in Moskau angefangen, die Straßen und Plätze zu dekorieren.

 

Dagegen ist der erste Mai als Feiertag fast untergegangen. Ich war an diesem Tag in Voronezh und habe mir die Stadt angeschaut. Im Zentrum gab es keine Paraden oder Umzüge. Einwohner, die ich fragte ob es denn Festlichkeiten gäbe, konnten mir keine konkrete Auskunft geben. Der Tag der Arbeit hat meiner Meinung nach im heutigen Russland keine allzu große Relevanz mehr. Es scheint gar, als gehören sozialistische Kundgebungen der Vergangenheit an, stattdessen kann man die Leute beim Shopping in den neuen glitzernden Malls antreffen.

 

Mit dem Siegestag verhält es sich anders. Dieser hat seinen festen Platz im Feiertagsturnus Russlands. Die Menschen nehmen ihn ernst, gedenken und feiern. Die langsam aber sicher aussterbenden Veteranen, die sonst an den Rand gedrängt scheinen (z.B. hinsichtlich der Kürzung der Vergünstigungen), rücken an diesem Tag ins öffentliche Gedächtnis. Selbst heute noch, im postsowjetischen Russland des 21. Jahrhunderts, besitzt dieser Tag wichtige Symbolkraft.

 

Aus der historischen Perspektive gesprochen, markiert der gewonnene Krieg den Höhepunkt der politischen Macht der UdSSR. Nicht nur das eigene Vaterland konnte von den Angriffen Nazideutschlands befreit werden, auch die meisten Länder Osteuropas konnten unter die Kontrolle des Stalinistischen Staatsapparats gebracht werden. Dabei wird oft vergessen, dass die baltischen Staaten von der Sowjetunion besetzt und annektiert wurden. So ist auch zu verstehen, dass es für diese Länder, wie das gerade wegen der Umbettung eines Ehrendenkmals so gescholtene Estland, an diesem Tag nichts zu jubeln gibt.

 

Mittlerweile ist die Sowjetunion Teil der Geschichte, so scheint es zumindest im politischen und wirtschaftlichen Bereich. Was aber ist mit den (erinnerungs-)kulturellen Aspekten? Beim Siegestag zeigt sich eine Kontinuität, die über 70 Jahre weit zurückreicht. Markiert das Ende der UdSSR ebenso eine Zäsur in kultureller Hinsicht oder läuft die Kulturgeschichte fort? Ist der Siegestag Teil der sowjetischen Geschichte und somit der Erinnerungskultur oder Teil der russischen oder beides? Wie wird hierbei selektiert? Auffällig für mich ist im Vergleich, dass der Siegestag als nationaler (oder transnationaler, da er ebenfalls in einigen Nachfolgestaaten der UdSSR zelebriert wird) auch heute noch euphorisch gefeiert wird, während dem Tag der Arbeit als mit dem Sozialismus verbundenes Ereignis wenig Bedeutung zukommt.

 

Meiner Meinung nach muss die Wertevorstellung eines gesellschaftlichen Aspektes geklärt werden, um hierbei tieferes Verständnis gewinnen zu können. Während man sich in Russland nach dem Ende der UdSSR von sozialistischen Werten weit gehend getrennt hat, spielt die Militärtradition auch heute noch eine wichtige Rolle im Selbstverständnis Russlands. Dies ist für die meisten Deutschen heute befremdlich und kaum verständlich, da mit dem Ende der Hitlerdiktatur in Deutschland dem Militarismus komplett abgeschworen wurde. Die Erfahrungen des verlorenen Krieges zeigten ihre Spuren. Niemand wollte mehr daran denken zur Waffe zu greifen. Der NATO-Betritt der BRD und die Aufstellung der Bundeswehr lösten unendliche innenpolitische Debatten aus, so dass ohne die erdrückende Rahmenbedingung des Kalten Krieges es fraglich gewesen wäre ob es je wieder eine Armee in Deutschland gegeben hätte.

 

Die Militärtradition in Russland hat eine weit zurückreichende Geschichte, in der stolz darauf verwiesen wird, dass von Westen her (der von Osten gekommene Mongolensturm bildet die Ausnahme – kleine turkologische Ergänzung – ) es keine Macht vermocht hat, das Land zu erobern. Die moderne Militärgeschichte beginnt bei der Verteidigung des Landes gegen Napoleon, reicht über die Konflikte des Bol’shaya Igra/Great Game zum Ersten Weltkrieg und schließlich zum Großen Vaterländischen Krieg.

Der Große Vaterländische Krieg übertrifft in seiner historischen Dimension und Totalität alle vorangegangen, so dass er den Höhepunkt des Freiheitskampfes Russlands kennzeichnet. Ohne die gewaltigen militärischen und ökonomischen Leistungen, die die UdSSR während des Krieges stemmte, wäre der Fortbestand des Staates nicht möglich gewesen. Der Große Vaterländische Krieg wurde zum Urereignis, das die eigene militärische Überlegenheit zeigte. Dies färbte auf andere Bereiche wie die Politik ab, wo man den Antifaschismus eng an den Antikapitalismus anlegte, den Sieg also an die neuen weltpolitischen Vorzeichen anpasste. Vorsichtig formuliert möchte ich dafür argumentieren, dass der gewonnene Krieg als Legitimierungsquelle diente, das System zu bestätigen.

Der Siegestag wurde zu sowjetischer Zeit als Erinnerungsfixpunkt der Vergangenheit gefeiert, um der vollbrachten Taten zu gedenken und der eigenen Größe Ausdruck zu verschaffen. Die militärische Macht war immer ein Steckenpferd der UdSSR, an dem nicht zu rütteln war. Obwohl das Antlitz durch den verlustreichen Einsatz im Afghanistankrieg Narben riss, wurde auch gegen Ende der UdSSR, zu dem in der Perestroikazeit die Politik und Wirtschaft mit Krisen überzogen wurde, an der Armee nicht gezweifelt. Der Untergang der UdSSR war ein sozioökonomischer, kein militärischer. Das Image der kampfbereiten Streitkräfte blieb unangefochten und reicht in die heutige Zeit hinein. Zugegeben, die neueren Konflikte wie Tschetschenien, verbunden mit traumatisierten oder desertierenden Soldaten, überschatten das Bild, jedoch will ich mich weiter auf die symbolische Ebene beziehen, in der eine Kontinuität angedeutet wird.

Ich war ganz überrascht, die vielen Werbeplakate zu sehen, mit denen der Staat für neue Rekruten wirbt. Viele der verwendeten Zeichen knüpfen an die ruhmreiche Militärtradition der sowjetischen Zeit an. Für mich erscheint dabei erst einmal ein eklatanter Widerspruch. Immerhin ist das heutige Russland einer der Nachfolgestaaten der UdSSR und seine Streitkräfte umstrukturierte Einheiten aus der ehemaligen Sowjetarmee, keine Eins-zu-eins-Kopie. Wie ist denn das Verhältnis zur heutigen Armee wirklich?

Als ich Ende April Kursk besuchte, machte ich eine interessante Beobachtung. In dieser zentralrussischen Stadt wohnen ca. 400.000 Menschen. Ich entschloss mich zu einem Besuch des schön gelegenen Kursk, da die Stadt eine Partnerschaft zu Speyer, meinem Geburtsort in der Pfalz, aufrechterhält. Die Stadt ist von der Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg geprägt, da sie eine wichtige Rolle im Kampfgeschehen hatte.

Das Gebiet von Kursk war Schauplatz der letzten deutschen Großoffensive gegen die Sowjetunion, dem Unternehmen Zitadelle. Zwischen dem 5. und 13. Juli 1943 kam es zur Schlacht im Kursker Bogen, der größten Panzerschlacht der Geschichte, an der über zwei Millionen Soldaten beteiligt waren. Obwohl die sowjetischen Streitkräfte fast die Hälfte ihrer über 3400 Panzer einbüßte, konnte die deutsche Armee aus Wehrmachts- und Waffen-SS-Verbänden besiegt werden. Die genaue Zahl der Toten ist unbekannt, jedoch geht sie in die Hunderttausende.

Ich besuchte in Kursk das durch zahlreiche Originalstücke höchst sehenswerte Museum der Schlacht, wo mir ein junger Historiker, der in einem Austausch ebenfalls schon Speyer besucht hatte, die Geschichte der Schlacht eingehend erläuterte. Er war schockiert über die Vorgänge in Estland. Dagegen befand er, dass die gemeinsame Erinnerung an den Krieg mit Deutschland, zum Beispiel in Kooperation mit der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, positiv von statten geht.

Danach besuchte ich das große Kriegsdenkmal neben dem Zentralfriedhof. Dort fiel mir auf dem Gelände des eigentlichen Denkmals eine neu eingerichtete Erinnerungsstätte auf. Diese war nicht abseits gelegen, sondern wurde direkt seitlich des Hauptmonuments errichtet. Ich trat näher und entdeckte, dass dieses Denkmal sich nicht auf den Großen Vaterländischen Krieg bezog, sondern den beim Untergang des U-Boots „Kursk“ am 12. August 2000 umgekommen Matrosen gewidmet war (die Bilder sind unten angehängt). Während ich das Denkmal beobachtete, sah ich eine junge Frau näher kommen, die eine Blume auf einem der Grabsteine niederlegte. Vielleicht war sie eine Verwandte oder Bekannte eines Verstorbenen. Ich weis es nicht, ich habe nicht gefragt.

Ein Denkmal für gefallen Matrosen ist zunächst mal nicht ungewöhnlich. Das Besondere liegt darin, dass dieses Denkmal räumlich in die Erinnerungsstätte an den Krieg integriert ist. Das zentrale Denkmal besteht in Kursk aus einer Säule, vor der eine ewige Flamme brennt. Südlich davon befindet sich in einer Entfernung von circa 30 Metern ein Gräberfeld für die berühmten gefallen Helden des Krieges, zuerst die Helden der Sowjetunion, dann die restlichen Offiziere. Auf der nördlichen Seite befindet sich nach etwa 50 Metern eine gedenkende Soldatenfigur auf einem Sockel mit einer Spruchtafel, flankiert von zwei Wänden mit Inschriften. Zwischen dieser Gruppe und der zentralen Säule wurde das neue Monument angelegt. Der Raum ist nicht bedeutungsfrei, sondern wird mit bestimmten Werten ausgestattet. Wird ein Denkmal ins Zentrum gerückt, so wird es auch verstärkt wahrgenommen. Meiner Meinung nach wird so durch die bedeutsame Gleichsetzung des Ortes, da die Gräber der Seemänner in der gleichen Entfernung zum Zentralmonument wie auch die Gefallenen des Krieges liegen, eine Parallele in der Wertigkeit zwischen den Matrosen der Kursk und den im Krieg Gefallenen gezogen.

Was als wichtig erachtet wird, ist der Dienst am Vaterland, sei es im Krieg oder im Frieden. Somit werden die auf der Kursk tödlich verunglückten Matrosen zu Helden, denen man sich erinnert und zwar an dem Ort, an dem man auch den Gefallenen des Krieges gedenkt. Die Erinnerungsstätte an den Großen Vaterländischen Krieg gilt nicht als perfekt und abgeschlossen, sondern wird erweitert, womit die Matrosen der Kursk in die überhängende russische Militärtradition integriert werden.

Viele Fragen bleiben offen, so würde interessieren, wer dieses Denkmal finanziert hat. Waren es Spenden oder veranlasste der Staat die Anlegung? Welches Interesse hat Russland daran, die Erinnerung an verunfallte Soldaten in den Mittelpunkt zu rücken?

In Russland ist die Armee eine feste Säule des Staates, ganz anders wie in der Bundesrepublik, wo jeder neue oder fortgeführte Auslandseinsatz der Bundeswehr die Regierung vor eine Zerreißprobe stellt. Für mich zeigt sich gerade in der Armee die Fortdauer des alten sowjetischen Bildes des starken und wehrhaften Staates in die heutige Zeit. Die Attribute der Rüstigkeit halten an und profilieren Russland ebenso im 21. Jahrhundert.

Meiner Meinung nach findet sich gerade in der Militärtradition eine wenig ausdifferenzierte Kontinuität zur sowjetischen Zeit wieder. Mit der Gegenwart verknüpft werden die prestigeträchtigen vergangenen Ereignisse durch performative Handlungen wie das gemeinsame Feiern des Siegestages oder Veranstaltungen, in denen junge Leute zusammen mit Veteranen wirken. So erlebte ich ebenfalls in Kursk ein Konzert im Haus der Offiziere, indem Kinder und ein Veteran gemeinsam auftraten. Sehr markant ist, dass es ebenfalls Tradition ist, dass Hochzeitspaare einen Kranz zu Ehren der Gefallenen an einem Denkmal an den Großen Vaterländischen Krieg niederlegen. Dies ist in Bild drei zu beobachten (ebenfalls berichteten dies mir weitere Informanten). Dieser Akt verknüpft einzelne Menschen bei einem ihrer wichtigsten Lebens-Kreis-Rituale mit der Erinnerung an den Krieg.

Soviel zu meinen Beobachtungen in Russland betreffend der Erinnerungskultur. Ich hoffe, dass ich damit eine Diskussion und Kritik anstoßen kann. Dieses Thema ist nach allen Seiten offen, lässt sich somit durch viele Beträge ergänzen und weiterentwickeln. Für mich bestehen in der Erinnerungskultur an den Krieg weit reichende Unterschiede zwischen Deutschland und Russland, die sich sicherlich in einer tieferen Betrachtung genauer abstecken lassen. Die Differenzen sind mir vorher nicht in diesem Ausmaß bewusst gewesen, jedoch hatte ich diesmal durch meinen fünfwöchigen Aufenthalt mehr Zeit mit den lokalen Begebenheiten vertraut zu werden.

Was denkt ihr? Seht wo seht ihr Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten in der Erinnerungskultur? Wird in Deutschland öffentlich überhaupt an den Krieg erinnert oder vielleicht eher an die Verbrechen der Nazizeit? Mir erscheint es, dass in Deutschland von Seiten des Staates aus offiziell an den Holocaust und die Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Dahingegen erinnern sich die Menschen im persönlichen Umfeld eher an den Krieg und die damit verbundenen Verluste an der Front und in der Heimat durch die Bombardierung.

Все же, этим блогом, да, он стал, скорее, уже эссе, я хотел бы открыть обсуждение воспоминанию о второй мировой войне / Великой Отечественной войне. К тому же, я хотел бы изобразить несколько этнографических наблюдений, которые я сделал во время моего пребывания в России. Я пишу, само собой разумеется, со своей собственной точки зрения (как немец, житель Пфальца, этнолог, турколог…) и осознанно резко формулирую. Критика желательна. Я надеюсь, что я не оскорбляю вместе с тем никого, а также, что я могу побудить оживленное обсуждение.

Как раз праздновался День Победы. Я сам не увидел торжества, так как я возвратился уже третьего мая, однако, я наблюдал далеко идущую подготовку. Уже более чем за одну неделю началось в Москве декорирование улиц и общественных мест.

Напротив же, почти погиб как праздник первое мая. Я был в этот день в Воронеже и осматривал город. В центре не имелось никаких парадов или шествий. Жители, которых я спрашивал, имеются ли все же праздники, не могли дать мне никакого конкретного ответа . День труда больше не имеет, по моему мнению, в сегодняшней России никакой слишком большой важности. Кажется, что социалистические демонстрации принадлежат прошлому, вместо этого можно встретить людей при покупке товаров в новых глянцевых магазинах.

Ко Дню Победы отношение совсем другое. Он имеет свое твердое место в цикле праздника России. Люди принимают его всерьез, помнят и празднуют. Медленно, но верно вымирающие ветераны, которые кажутся обделенными (например, относительно сокращения льгот), входят в этот день в общественную память. Даже еще сегодня, в постсоветской России 21 столетия, этот день владеет важной символической силой.

Говоря об исторической перспективе, выигранная война обозначает апогей политической власти СССР. Не только советское отечество смогло освободиться от нападений нацистской Германии, а также и огромные страны Восточной Европы могли попадать под контроль Сталинского государственного аппарата. При этом, часто забывают, что балтийские государства были захвачены и аннексированы Советским Союзом. Также нужно понимать, что ничто не дает ликовать в этот день этим странам, как установка почетного памятника порицаемой Эстонии.

Тем временем, Советский Союз – это часть истории, по меньшей мере, в политической и экономической области. Как же дело обстоит с культурным аспектом, а именно воспоминанием об этом дне? Днем победы оказывается непрерывность, которая возвращает более чем 70 лет назад. Отмечается ли распад СССР так же как цезура с культурной точки зрения или история культуры продолжается? Является ли День Победы частью советской истории и таким образом культуры воспоминания или частью русских, или и то, и другое? Как при этом оценивается? Для меня является необычным, что День Победы празднуется как национальный день (или транснациональный, так как он проводится также в нескольких государствах-преемниках СССР) празднично и сегодня, в то время как небольшое значение придают Дню труда как связанному с социализмом событию. По моему мнению, должно быть выявлено ценностное представление общественного аспекта, чтобы побудить при этом более глубокое понимание. В то время как значительно расстались в России после распада СССР с социалистическими ценностями, армейская традиция играет и сегодня важную роль в собственном воображаемом образе России. Это кажется странным для многих немцев сегодня и едва ли понятно, что покончив с Гитлеровской диктатурой Германия полностью отреклась от милитаризма. Опыт проигранной войны оставил ее следы. Никто не хотел вспоминать больше об оружии. Вступление ФРГ в НАТО и установка Бундесвера вызывали бескрайние внутриполитические споры, так что без подавляющего общего условия Холодной войны было бы спорно когда-нибудь снова иметь армию в Германии. Армейская традиция в России имеет далекую историю, когда никакая власть Запада никакую не была в состоянии захватить страну. Современная армейская история начинается при защите страны против Наполеона, относятся конфликты Большой игры к Первой мировой войне и, наконец, к Великой Отечественной войне. Великая Отечественная война превосходит в его историческом размере и тотальности все предшествующие, так что она характеризует апогей освободительной борьбы России. Без сильных военных и экономических усилий, которые поднимали вверх СССР во время войны, дальнейшее существование государства не было бы возможно. Великая Отечественная война стала событием, которое показало собственное военное превосходство. Это затронуло другие области как политика, где антифашизм тесно прикладывали к антикапитализму, победу присваивали к новым всемирно-политическим знакам. Четко формулируя, я хотел бы привести аргументы для того, что выигранная война служила как источник засвидетельствования, который подтверждал систему. День Победы праздновался в советское время как контрольная точка воспоминания прошлого, чтобы вспоминать совершенные действия. Военная власть была всегда коньком СССР, который не нужно было показывать. Хотя лицо покрывалось шрамами на войне в Афганистане, не сомневались также в распаде СССР, когда во время перестройки политика и экономика покрывалась кризисами. Закат СССР более по-военному был социально-экономическим. Имидж готовых к бою вооруженных сил оставался неоспоримым и удовлетворяет и в сегодняшнее время. Возникли более новые конфликты как Чечня, связанная с травмированными или дезертирующими солдатами, однако, я хочу идти дальше по символической равнине, подразумевающая непрерывность. Я был совсем поражен, увидев многие рекламные плакаты, при помощи которых государство агитирует за новых рекрутов. Многие, используя знаки, продолжают славную армейскую традицию советского времени. Для меня появляется сенсационное противоречие. Все-таки, сегодняшняя Россия – это одно из государств-преемников СССР и его вооруженные силы, изменившие структуру бывшей Советской Армиии, ничего общего не имеют. Какое же настоящее отношение к сегодняшней армии? Когда я был Курск в конце апреля, я сделал интересное наблюдение. В этом центрально-российском городе живет примерно 400.000 людей. Я решил посетить прекрасный город Курск, так как этот город поддерживает партнерство с городом Шпайер, моим родным местом в Пфальц. Город характеризуется воспоминанием о Великой Отечественной войне, так как она имела важную роль в боевом действии. Область Курска была местом происшествия последнего немецкого общего наступления против Советского Союза, захвата цитадели. С 5 по 13 июля 1943 проходила битва в Курске, самая большая битва в истории, в которой участвовали свыше 2 млн. солдат. Хотя советские вооруженные силы теряли более 3 400 танков, немецкая армия из союзов власти обороны и союзов оружия SS могла быть побеждена. Точное число погибших неизвестно, однако, это составляет сотни тысяч. Я посетил много достопримечательностей в музее Курска многочисленные куски оригинала Курской битвы, где молодой историк, который тоже посетил Шпайер по обмену, разъяснил мне историю битвы подробно. Он был шокирован процессами в Эстонии. Напротив он считал, что общее воспоминание о войне с Германией следует воспринимать положительно, например, в кооперации с Немецким военным обеспечением могил. Затем я посетил большой военный памятник наряду с центральным кладбищем. Там мне бросалось в глаза на территории настоящего памятника по-новому обставленное место памяти. Она не была расположена в стороне, а непосредственно сооружалась со стороны основного монумента. Я приблизился и обнаружил, что этот памятник относился не к Великой Отечественной войне, а посвящен погибшему матросу 12 августа на подводной лодке „Курск“ (картины прилагаются внизу). В то время как я осматривал памятник, я увидел, как приближается девушка, которая положила цветок на одном из надгробных камней. Вероятно, она была родственницей или знакомой умершего. Я не спрашивал.

Памятник матросу необычен. Отличие состоит в том, что этот памятник интегрирован пространственно в место памяти о войне. Центральный памятник стоит в Курске в виде колонны, перед которой горит вечный огонь. К югу оттуда на расстоянии приблизительно 30 м находится место захоронения известных павших героев войны, героев Советского Союза, бывших офицеров. В северной стороне примерно за 50 м находится думающая фигура солдата на цоколе с доской изречения, окруженной 2 стенами с надписями. Между этой группой и центральной колонной был вложен новый монумент. Если памятник сдвинуть в центр, то это будет восприниматься также усиленно. По моему мнению, параллель тянется знаменательным оседанием этого же самого места, так как могилы матросов лежат на том же самом удалении к центральному монументу как и могилы павших войны. То, что признается как важное, является служба отечеству, это было бы на войне или в мире. Таким образом, погибшие при катастрофе на Курске матросы будут героями, которые о себе напоминают, а именно в месте, в котором думают также о павших на войне. Место воспоминания о Великой Отечественной войне считается незауженным, а расширяется, чем матросы Курска интегрируются в выступающую русскую армейскую традицию.

Много вопросов остаются открытыми, интересно, кто финансировал этот памятник. Были ли это пожертвования или государство побуждало использование? То, который Кто заинтересован в России в том, чтобы двигать воспоминание павших солдат в центр? В России армия – это твердая колонна государства, в Федеративной республике это совсем другое, где каждое новое или продолженное международное постановление бундесвера ставит правительство перед испытанием на разрыв. Для меня продолжение старой советской картины сильного государства заключается как раз в армии в сегодняшнее время. Свойства бодрого качества останавливаются и профилируют Россию так же в 21 веке. По моему мнению, немного дифференцировавшая непрерывность находит себя как раз в армейской традиции в советское время. С современностью связываются престижные прошедшие события через выполненные действия как общее празднование дня победы или мероприятия, в которых действуют молодые люди вместе с ветеранами. Таким образом, я побывал также в Курске на концерт в доме офицеров, в то время когда вместе встетились дети и ветераны. Очень значительно, что это тоже традиция, когда свадебные пары вносят венок памятнику в честь павших в Великую Отечественную войну. Это можно увидеть на картине 3. Этот акт связывает отдельных людей в одном из их самых важных ритуалов жизни с воспоминанием о войне.

Много в России относительно культуры воспоминания. Я надеюсь, что я могу выдвинуть в обсуждение и критику. Эта тема открыта, ее можно дополнять и совершенствовать. Для меня далеко идущие различия существуют в культуре воспоминания о войне между Германией и Россией, которые точнее можно обсуждать, наверное, в более глубоком рассмотрении. Я раньше не осознавал разницы в таком размер, однако, я имел возможность провести 5 недель больше времени с местными событиями? Где вы видите различия, что общего в культуре воспоминания? Вспоминают ли в Германии публично вообще о войне или, скорее, о преступлениях времени нацизма? Мне кажется, что в Германии со стороны государства официально вспоминают о Холокосте и жертвах национал-социализма. Напротив, в личном контексте люди вспоминают, скорее, о войне и вместе с тем связанных с бомбардировкой потерях на фронте и на родине.

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Vorstellung von Phil / Приветствие от Филиппа
16 Mai 2007, 6:52 pm
Filed under: Teilnehmer 07/08

Ich studiere an der Freien Universität Berlin Ethnologie und Turkologie. Besonders interessiere ich mich für die tatarische Kultur. In meinem Studium lerne ich durch Seminare verschiedene Aspekte der tatarischen Kultur kennen, welche ich durch meine Reisen nach Kasan vertiefe. Ich freue mich sehr, an den Konferenzen mitwirken und meine turkologischen und ethnologischen Kenntnisse beisteuern zu können.

 

Ich komme aus der Pfalz, der schönsten Region Deutschlands, gelegen im Südwesten. Wir Pfälzer sind berühmt für unsern Humor, das warme Klima und unseren Wein, den wir in alle Welt exportieren (auch nach Tatarstan). Dort, in der Stadt Heidelberg, der früheren Residenzstadt des Kurfürsten, habe ich vier Semester studiert, bis ich nach Berlin gegangen bin, um mich besser den Turkvölkern der ehemaligen Sowjetunion widmen zu können.

 

Meine Hobbys sind Eishockey (Ак Барс Казань, Eisbären Berlin), Fußball (FC Schalke 04) und mein Hund. Mit meinen Vierbeiner (Jurij – ein sibirischer Husky braucht auch einen russischen Namen) gehe ich Radfahren und unternehme ausgedehnte Spaziergänge.

 

Я учусь в Свободном Университете Берлина, где изучаю этнологию и туркологию. В особенности я интересуюсь татарской культурой. В моей учебе посредством семинаров я знакомлюсь с различными аспектами культуры Татарстана, которые я лучше познаю благодаря поездки в Казань. Я очень рад совместному участию на конференции и возможности сделать интересное дополнение к туркологическим и этнологическим знаниям.

Я из Пфальца, прекрасного региона Германии, расположенном на юго-западе. Жители Пфальца известны юмором, теплым климатом и собственным вином, которое мы экспортируем во все части мира (в т.ч. и в Татарстан). Здесь, в городе Хайдельберг, раннее резиденции курфюрста, я учился 4 семестра, до того, как я не приехал в Берлин, чтобы иметь возможность лучше познать народ Турции бывшего Советского Союза.

Моими увлечениями являются хоккей (Ак Барс Казань, Eisbaeren Berlin), футбол (FC Schalke 04) и моя собака. С моим четвероногим другом (Юрием – сибирской хаски нужно также и русское имя) я езжу на велосипеде и устраиваю длительные прогулки.