Rasnoobrasie – Berlin – Казань


Mittwoch, 19. Dezember (Philipp) by philippjaeger
28 Januar 2008, 9:02 pm
Filed under: Unser Archiv

Nachdem sich die Berliner Gruppe und unsere Gäste aus Kasan im Seminarsaal in der alten Feuerwache eingefunden hatten, begannen wir sogleich mit unserem strammen Programm für den Mittwoch, an dem wir den aufwendigen und umfangreichen Geschichtsteil der Konferenz abschließen wollten. Als erstes hielt Mieste einen Power-Point unterstützen Vortrag über das Tatarenbild in Mittel- und Osteuropa, bei dem er auf den historischen Verlauf ausführlich einging.

Um 1015 übernahm dann Venera Vagizova-Gerassimov, die Chefredakteurin der tatarischen Zeitschrift Altabash und Vorstandsmitglied von Tatarlar Deutschland. Sie berichtete auf Russisch über das Musa Dschalil Gedenkjahr 2006 und die Maßnahmen, die in Deutschland von verschiedenen Organisationen dazu unternommen wurden. Frau Vagizova-Gerassimov schilderte ebenfalls die Kasaner Perspektive dazu, denn sie lebt zwischen den Städten und kennt beide Seiten gut.

Ein besonderes Augenmerk legte sie am Ende ihres langen Vortrags auf die Sprachenpolitik, die ihrer Meinung nach heute in Tatarstan ein Problem darstellt, was mit der Schulreform zu tun hat. Das Anschneiden der politischen Aspekte führte zu einer lebhaften Diskussion an der sich die Kasaner Teilnehmer und die in russisch Bewanderten der Berliner Gruppe beteiligten. Diese wurde mitunter scharf geführt und dehnte sich über den ganzen Vormittag bis 1215 aus.

Das gemeinsame Mittagessen fand im Restaurant der Alten Feuerwache statt, in dem wir vorher verschiedene Gerichte nach den Geschmäckern der Teilnehmer bestellt hatten. In angenehmer Atmosphäre speisten wir zusammen und gingen dann um 1330 zum Nachmittagprogramm über.

Wir wollten dabei den Geschichtsteil unserer Konferenz mit einer Diskussion über die Erinnerung an Musa Dschalil abschließen, was sich als höchst problematisch erwies. Zunächst erörterten mehrere Mitglieder der Berliner Gruppe die Erinnerung in der Sowjetunion. Nach einer guten halben Stunde meldeten sich einige Studenten der Kasaner Gruppe zu Wort, dass die die Zuschreibungen seitens der Deutschen nicht akzeptieren und begannen energisch auf russisch und teilweise englisch ihre Eigensicht darzustellen. Einige Berliner schalteten sich mit ein und versuchten eine Gegendarstellung zum Ausdruck zu bringen. Es begann eine kontroverse, teils emotional geführte Debatte, die über eine Stunde währte, ohne zu einem nennenswerten Ergebnis zu kommen. Wir machten eine ausgiebige Pause um jedem zu erlauben, sich zu sammeln.

Wir erkannten schließlich, dass unser Streitgespräch einer Moderation bedurfte und wollten nun die Themen und Diskussionsbeiträge ordnen. Robert erläuterte das Konzept der Histographie und stellte klar, warum Musa Dshalil als Beispiel gewählt wurde. Die Kasaner gaben ihre Sichtweise über die Erinnerung an den tatarischen Poeten wieder, beschwerten sich aber, dass die Erinnerung an den Krieg in Deutschland ihrer Meinung nach unzureichend behandelt wurde. Da die Zeit schon fortgeschritten war, einigten wir uns darauf diese Lücke am Samstag zu schließen.

Im Anschluss darauf fingen wir mit dem zweiten Themenblock der Konferenz an, die Migration. Hierzu bereiteten Peer und Agnieszka Vorträge zur Statistik und Rechtslage der Migranten vor, die zeigten, dass die Migrantenproblematik aktuell eine sehr große Dynamik aufweist. Wir stellten fest, dass die Bundespolitik das Phänomen Migration erst seit Kurzem wahrnimmt und darauf reagiert.

Gerade zur rechtlichen Situation von Migranten in Deutschland traten bei den Kasaner Projektpartnern viele Fragen auf. Wir diskutierten intensiv bis wir schließlich das Programm um 1940 beendeten.

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