Rasnoobrasie – Berlin – Казань


Perceptions of history – Mussa Dshalil Part I: Introduction by Robert
31 Januar 2008, 6:30 pm
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Two groups of students from Kazan and Berlin met in November and December 2007 in their cities to discuss different perceptions of history in the German Democratic Republic, the Federal Republic of Germany and the re-united Germany after 1990 on the one hand and in the Soviet Union, the Russian Federation and the Republic of Tatarstan on the other hand. The conference series was funded by the programme „Geschichtswerkstatt Europa“ of the „Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ and „Robert Bosch Stiftung“ and by the „Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch“.

In order to compare the historical memory in both our countries, we choose the example of the Tatar poet Mussa Dshalil (1906-1944). There are several memorials to Dshalil in Kazan, where the poet lived and worked. In Berlin, the place of his execution in 1944, Dshalil is commemorated in the „Gedenkstätte Plötzensee“. Furthermore, in the GDR a brigade of the „Berliner Bremsenwerke“ bore the name of the famous Tatar.

Besides exploring and documenting those memorial sites, our work consisted of seminar discussions, interviews with historical eyewittnesses and the study of documents related to Dshalil. First results of our work were published in Altabash 38 (2007) and  Altabash 39 (2007) by Leysan Kalimullina and Mieste Hotopp-Riecke (Russian and German). On this website, you will also find our seminar diaries from Kazan and Berlin and further materials, again in Russian and German. This series of blog posts tries to give an overview of the results of our work in the English language.

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Mittwoch, 19. Dezember (Philipp) by philippjaeger
28 Januar 2008, 9:02 pm
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Nachdem sich die Berliner Gruppe und unsere Gäste aus Kasan im Seminarsaal in der alten Feuerwache eingefunden hatten, begannen wir sogleich mit unserem strammen Programm für den Mittwoch, an dem wir den aufwendigen und umfangreichen Geschichtsteil der Konferenz abschließen wollten. Als erstes hielt Mieste einen Power-Point unterstützen Vortrag über das Tatarenbild in Mittel- und Osteuropa, bei dem er auf den historischen Verlauf ausführlich einging.

Um 1015 übernahm dann Venera Vagizova-Gerassimov, die Chefredakteurin der tatarischen Zeitschrift Altabash und Vorstandsmitglied von Tatarlar Deutschland. Sie berichtete auf Russisch über das Musa Dschalil Gedenkjahr 2006 und die Maßnahmen, die in Deutschland von verschiedenen Organisationen dazu unternommen wurden. Frau Vagizova-Gerassimov schilderte ebenfalls die Kasaner Perspektive dazu, denn sie lebt zwischen den Städten und kennt beide Seiten gut.

Ein besonderes Augenmerk legte sie am Ende ihres langen Vortrags auf die Sprachenpolitik, die ihrer Meinung nach heute in Tatarstan ein Problem darstellt, was mit der Schulreform zu tun hat. Das Anschneiden der politischen Aspekte führte zu einer lebhaften Diskussion an der sich die Kasaner Teilnehmer und die in russisch Bewanderten der Berliner Gruppe beteiligten. Diese wurde mitunter scharf geführt und dehnte sich über den ganzen Vormittag bis 1215 aus.

Das gemeinsame Mittagessen fand im Restaurant der Alten Feuerwache statt, in dem wir vorher verschiedene Gerichte nach den Geschmäckern der Teilnehmer bestellt hatten. In angenehmer Atmosphäre speisten wir zusammen und gingen dann um 1330 zum Nachmittagprogramm über.

Wir wollten dabei den Geschichtsteil unserer Konferenz mit einer Diskussion über die Erinnerung an Musa Dschalil abschließen, was sich als höchst problematisch erwies. Zunächst erörterten mehrere Mitglieder der Berliner Gruppe die Erinnerung in der Sowjetunion. Nach einer guten halben Stunde meldeten sich einige Studenten der Kasaner Gruppe zu Wort, dass die die Zuschreibungen seitens der Deutschen nicht akzeptieren und begannen energisch auf russisch und teilweise englisch ihre Eigensicht darzustellen. Einige Berliner schalteten sich mit ein und versuchten eine Gegendarstellung zum Ausdruck zu bringen. Es begann eine kontroverse, teils emotional geführte Debatte, die über eine Stunde währte, ohne zu einem nennenswerten Ergebnis zu kommen. Wir machten eine ausgiebige Pause um jedem zu erlauben, sich zu sammeln.

Wir erkannten schließlich, dass unser Streitgespräch einer Moderation bedurfte und wollten nun die Themen und Diskussionsbeiträge ordnen. Robert erläuterte das Konzept der Histographie und stellte klar, warum Musa Dshalil als Beispiel gewählt wurde. Die Kasaner gaben ihre Sichtweise über die Erinnerung an den tatarischen Poeten wieder, beschwerten sich aber, dass die Erinnerung an den Krieg in Deutschland ihrer Meinung nach unzureichend behandelt wurde. Da die Zeit schon fortgeschritten war, einigten wir uns darauf diese Lücke am Samstag zu schließen.

Im Anschluss darauf fingen wir mit dem zweiten Themenblock der Konferenz an, die Migration. Hierzu bereiteten Peer und Agnieszka Vorträge zur Statistik und Rechtslage der Migranten vor, die zeigten, dass die Migrantenproblematik aktuell eine sehr große Dynamik aufweist. Wir stellten fest, dass die Bundespolitik das Phänomen Migration erst seit Kurzem wahrnimmt und darauf reagiert.

Gerade zur rechtlichen Situation von Migranten in Deutschland traten bei den Kasaner Projektpartnern viele Fragen auf. Wir diskutierten intensiv bis wir schließlich das Programm um 1940 beendeten.



Mittwoch, 19. Dezember 2007 – Protokoll von Martha by Marta Zaripova
16 Januar 2008, 11:05 pm
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Zuerst gab es einen kurzen Vortrag zum Thema Mussa Dhalil als „Politischer Ikone“ (Ort der Erinnerung) im Kontext der Inszenierung „von Macht“. Es war vermittelt worden, dass an historische Ereignisse durch Medien, Kunst oder Literatur erinnert werden kann. Es war erkannt worden, dass es zwischen Bildern und Politik eine Verbindung gibt, dass sie zusammen gehören.

Darauf folgte ein Vortrag von Frau Venera Gerasimov-Vagizova über Mussa Dshalil. Sie ist im Verein „Tatarlar Deutschland“ und als Hauptredakteurin der Zeitung „Altabash“ tätig. Frau Gerasimov-Vagizova hat uns ausführlich über ihre Tätigkeit erzählt.

Nachmittags war ein Vortrag von Agniezska. Sie hat uns über die Migration nach Deutschland erzählt. Es wurde berichtet, dass 2007 in Deutschland ca. 8% Ausländer leben. Nach dem 2. Weltkrieg sind Gastarbeiter aus der Türkei, Griechenland, Italien und Spanien (4 Mio.) gekommen. Seit 2005 gibt es ein Zuwanderungsgesetz, welches am 28. August 2007 reformiert wurde. Für die Einwanderung sind Deutschkenntisse und die Anerkennung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wichtig.

Am Ende war gesagt worden, welche Gründe von Jugendgewalt bei Personen mit Migrationshintergrund auftreten. Das sind: Die soziale Lage in den Stadtvierteln, Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildungserfolge.



Protokoll von der Feedbackrunde zum Kazanteil by josievers
13 Januar 2008, 9:33 pm
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Bei der Feedbackrunde des Berliner Gruppe zu dem Konferenzteil in Kazan malten wir zunächst einen großen Plan mit allen Dingen, die wir in Kazan gemacht hatten und verteilten dann Punkte mit unterschiedlichen Farben für einzelne Ereignisse während der Konferenz.

Rote Punkte sollten konfliktreiche Ereignisse markieren, blaue Punkte sehr positive Erinnerungen und grüne Punkte Ereignisse, aus denen man bestimmte Lehren gezogen hat. Alle Markierungen waren rein persönlicher Art und mussten nicht im Nachhinein erklärt werden.

Dennoch konnte man einige Rückschlüsse über den Konferenzverlauf ziehen: Während sich die blauen Punkte eindeutig vor allem bei unserem Ausflug in das tatarische Dorf mit dem Schulbesuch und dem anschließenden Essen bei einer Lehrerin ballten, fand sich die größte Ballung roter Punkte bei dem Vortrag von Herrn Dietz, dem Vorsitzenden des Deutschen Hauses. Dieser Vortrag hatte auch schon spontan den meisten Widerspruch hervorgerufen. Weitere rote Punkte fanden sich auch am Dienstag bei dem Vortrag von Dascha, vermutlich, weil nicht klar geworden war, wie er thematisch eingebunden werden konnte. Außerdem waren die Diskussionen zum Abschluss des Geschichtsteils und zur Einführung in den Migrationsteil teilweise rot markiert – hier waren wir auf besondere, eventuell interkulturell bedingte Kommunikationsschwierigkeiten getroffen. Ein weiterer roter Punkt, vermutlich inhaltlichen Ursprungs, fand sich beim Vortrag des Religionsratsvorsitzenden.

Um die grünen Punkte auszuwerten, sammelten wir nun Ziele – persönliche, thematische und auf die Gruppe bezogene – die wir uns aus Erfahrungen in Kazan gesetzt haben.

Bei den auf die Gruppe bezogenen Zielen wurde sich unter anderem eine bessere Verständigung gewünscht. Zum einen war dies auf organisatorische Defizite bezogen, zum anderen aber auch auf interkulturelle Verständigungsschwierigkeiten in Bezug auf unterschiedliche Verstehensweisen von bestimmten Begriffen und auf unterschiedliche soziale Praktiken. Hierzu gehört auch, dass jede Seite am Ende genau versteht, worum es bei der anderen Seite eigentlich ging. Als weitere Ziele wurden genannt, dass erreicht werden soll, dass jeder Teilnehmer am Ende ein persönliches Verständnis über die von uns behandelten Themen erlangt, dass wir es schaffen, über die Ausstellungsgestaltung zu Musa Dschalil zu diskutieren, dass wir das Migrationsthema möglichst neutral, nicht übertrieben, aber in seiner Problematik deutlich darstellen sollten, dass wir offene und faire Diskussionen führen sollten, dass wir mit Problemen pragmatisch umgehen sollten und den vorher formulierten Ansprüchen gerecht werden wollen.

Zu den thematischen Zielen wurde genannt, dass wir verschiedene Museumsformen vergleichen sollten, um zum Einen ihre Bedeutung für verschiedene Erinnerungsformen und zum Anderen ihren Bestand oder ihren Wandel über die Zeit zu ergründen. Außerdem wollte jemand weitere Lebenslaufforschung (Oral History) betreiben, das von uns besuchte Konzert in Kazan als Beispiel dafür  untersuchen, wie Musik als Werkzeug der pantürkischen Bewegung eingesetzt wird. Im Geschichtsteil sollte es uns gelingen, von Musa Dschalil als unserem Vehikel wirklich zu Geschichtsbildern zu kommen und diese differenziert zu untersuchen.

Insgesamt waren viele Ziele persönlicher Art und nicht unbedingt auf die ganze Gruppe und den Konferenzablauf zu beziehen, dennoch hat es geholfen, sich noch einmal über das in Kazan Erlebte und Gelernte mit seinen möglichen Konsequenzen und Schlussfolgerungen bewusst zu werden.

 

In einem zweiten Teil der Feedbackrunde ging es um grundsätzliche Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation. Unsere Leiterin zeigte uns hierfür die Skizze eines „kulturellen“ Eisbergs, der für jede Kultur, aber auch bei jedem Individuum persönlich, mit anderen Inhalten gefüllt ist. Wie bei einem Eisberg ist auch bei Menschen nur ein kleiner Teil dessen sichtbar, was ein Individuum ausmacht. Jeder Mensch ist auch unbewusst vielfach durch seine Umgebung geprägt und hat sich so bestimmte Tabus, Verhaltensnormen oder Wertsysteme zu eigen gemacht, die ihm normalerweise auch selbst nicht unbedingt bewusst sind, teilweise weil sie ihm völlig selbstverständlich vorkommen und er sie darum nicht wahrnimmt. Solche Normen oder Tabus könnte er also auch nicht direkt kommunizieren. Eben diese Tabus und Verhaltensnormen sind auch ein Punkt, in dem sich Menschen aus verschiedenen Kulturen besonders stark unterscheiden, weil sie aus der Sozialisation in einer bestimmten Umgebung und in bestimmten Diskursgemeinschaften entstehen. In der Kommunikation sollte deswegen besonders darauf geachtet werden, den anderen in seinem Wertesystem, das wir so genau nicht kennen, nicht zu verletzen, ihn nicht direkt anzugreifen, sondern möglichst auch Kritik immer in Ich-Botschaften zu verpacken, die die eigene Wahrnehmung mitteilen sollen und immer einfacher zu akzeptieren sind als Angriffe. Am einfachsten sind auch interkulturell Probleme sachlicher Art zu besprechen – beispielsweise die Arbeit betreffend – während es immer am schwierigsten ist, auf die ganz persönliche Ebene vorzudringen. Hierbei wäre besondere Zurückhaltung angebracht.

In einer Übung, bei der wir versuchen sollten, unsere eigenen wichtigsten Werte aufzuschreiben, wurde uns schnell bewusst, wie unterschiedlich auch wir in einer kulturell (relativ) homogenen Gruppe Begriffe wie „Toleranz“, „Wertschätzung“ oder „Akzeptanz“ verstehen.



Protokoll vom 17.12. by josievers
13 Januar 2008, 9:25 pm
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An unserem ersten Konferenztag in Berlin sprachen wir zunächst in Bezug auf den Geschichtsteil über die Chancen, die wir planten, wahrzunehmen. Zum Einen würden wir während der Konferenz die ersten sein, die den Werdegang der Gedenkstätte Plötzensee dokumentieren und hierzu wichtige Zeitzeugen befragen könnten. Zum Anderen könnten wir mit einer möglichen Publikation und mit einem Beitrag für die Gedenkstätte in Moabit konkret das Andenken an Musa Dschalil  und den in Deutschland sehr geringen Kenntnisstand über Tatarstan erweitern und vertiefen.

 

Leyssan bot uns eine kurze Einführung in den Begriff „Geschichtsbilder“. Sie betonte, dass bei der Erforschung von Geschichtsbildern nicht danach gestrebt wird, bestimmte historische Fakten korrekt darzustellen oder richtige von falschen Geschichtsauffassungen zu unterscheiden. Es geht viel mehr darum, zu erforschen, wie Geschichte in unterschiedlichen Ländern verschiedentlich dargestellt wird und welche Vorstellungen über vergangene Ereignisse in den Köpfen der Menschen vorherrschen. Dabei ist die Erforschung von Geschichtsbildern auch ein gutes Mittel, um zu untersuchen, wie Macht und Propaganda funktionieren und welchen Einfluss sie auf die Vorstellungen des Einzelnen haben. Bulat Kh. merkte an, dass für den Begriff „Geschichtsbilder“ im Russischen der Begriff „мета-история“ („Meta-Geschichte“) verwendet wird.

 

Unser erster geladene Vortragende in Berlin war Dr. Horst Schützler, emeritierter Professor für Geschichte der Sowjetunion und der KPdSU an der HU. In seinem Vortrag stellte er die verschiedenen Sichtweisen auf den 2. Weltkrieg in Deutschland und in der Russländischen Föderation 60 Jahre nach Kriegsende vor. Seiner Meinung nach gibt es hier keine einheitliche Perspektive, nach wie vor herrschen unterschiedliche Auffassungen vor.

Nach Schützler wurde in der BRD zum 60. Jahrestag der Befreiung so breit und intensiv über den Krieg diskutiert wie nie zuvor. Es gab zahlreiche Dokumentationen, Diskussionsrunden, Veröffentlichungen und Befragungen von Zeitzeugen, leider auch Demonstrationen von und Auseinandersetzungen mit Neonazis. Rund 4/5 der Deutschen halten heute den 8. Mai 1945 für einen Tag der Befreiung von den Nationalsozialisten, dennoch hält Schützler die Aufarbeitung des Faschismus in der BRD immer noch für unzureichend.

Bei seiner Darstellung der russländischen Debatte bezog sich Schützler vor allem auf die schon in seinem Artikel „Der Große Vaterländische Krieg. Sichten und Einsichten im heutigen Russland“[1] dargelegten Zusammenhänge. Auch in Russland kam es im Zuge des 60. Kriegsjubiläums zu vermehrten Debatten und teilweise auch zu Umdeutungen des seit Stalinzeiten sogenannten „Großen Vaterländischen Krieges“. Dieser Begriff galt zu Sowjetzeiten als Synonym für einen gerechten Volkskrieg mit makellosem, gesetzmäßigem Sieg.

Auch wenn die gemeinsame Erinnerung an den 2. Weltkrieg heute immer noch als große einigende Klammer um die so vielschichtige russländische Gesellschaft fungiert, wird auch in Russland der Krieg nun insgesamt differenzierter als zu Sowjetzeiten betrachtet. Die stalinistische Kriegsführung mit den eventuell unnötig hohen Opferzahlen ist zu einem Kritikpunkt geworden, auch sind der Alltag im sowjetischen Hinterland, die Situation der Frauen, Verbrechen der Roten Armee wie in Katyn und ihr Umgang mit der besiegten Zivilbevölkerung, die Hilfe der Alliierten oder das Leben unter faschistischer Besatzung in den Blickpunkt gerückt. Das zu Sowjetzeiten überbetonte Überraschungsmoment des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion ist heute in eine Reihe von Gründen eingeordnet worden, auch wenn einige pseudowissenschaftliche Publikationen im anderen Extrem von einem deutschen „Präventivkrieg“ sprechen.

Unantastbar ist in der Russländischen Föderation heute noch der Stolz auf den gemeinsam errungenen Sieg über den Faschismus, den etwa 76% aller Erwachsenen teilen.

Im Anschluss an den Vortrag entspannte sich eine Diskussion über den 8. Mai. Es wurde die Frage gestellt, ob man im heutigen geeinten Deutschland den 8. Mai als Gedenktag brauche, weil er Teil spezifisch sowjetischer oder sozialistischer Erinnerungskultur ist und durch den Missbrauch für propagandistische Zwecke diskreditiert sein könne. Es könnte sinnvoll sein, neue, gemeinsame Formen der Erinnerung an die Befreiung zu schaffen, die durch ihren prozessualen Charakter ja nicht unbedingt an einen Tag gebunden sein müsse. Schützler vertrat in dieser Diskussion die Position, dass der 8. Mai auch aus pragmatischen Gründen als Gedenktag besonders geeignet wäre, weil man sich für bestimmte Rituale auf ein Datum fixieren müsse.

 

Als nächster Programmpunkt stand unser Ausflug zur Gedenkstätte Plötzensee an, wo in einer eigenen Vitrine Musa Dschalil und seinen tatarischen Mitgefangenen gedacht wird.

 

Ein Vortrag von Mieste und Leyssan widmete sich der Nationalitätenpolitik der Sowjetunion.

In der heutigen Russländischen Föderation wird das Konzept der Nationalen Kulturautonomie, das auf die Austromarxisten Karl Renner und Otto Braun zurückgeht und schon unter Lenin teilweise umgesetzt wurde, stark diskutiert und teilweise auch wieder praktiziert. 

Die österreichischen Theoretiker Renner und Braun haben Nationen als Kulturgemeinschaften, die nicht unbedingt auf einen gemeinsamen Staat oder auf ein Territorium zurückzuführen sein müssen, definiert. Als wichtiges Recht jeder Nation galt ihnen, eine eigene Literatur, Volksbildung und Kunst entwickeln und gestalten zu können. Deswegen sollte auch überall dort, wo genügend Mitglieder einer Nation vertreten waren, dieser Gruppe die Möglichkeit gegeben werden, Schulen in deren Muttersprache mit eigenen Inhalten zu betreiben. Dieses Recht beschreibt das Konzept der Nationalen Kulturautonomie. Hierbei vertraten Renner und Bauer die kollektivistisch-föderale Schule, was bedeutet, dass nicht jedes Individuum vereinzelt Recht auf eine Schule in der eigenen Sprache haben könne, sondern ein genügend starkes Kollektiv als Interessengruppe gegenüber dem Staat auftreten müsse. Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation wird vor allem über das Personalitätsprinzip festgelegt – derjenige, der sich zu einer bestimmten Nationalität bekennt, wird dieser auch zugeschrieben.

Auch wenn die sowjetischen Politiker in ihrer Ideologie grundsätzlich gegen Nationen eingestellt waren – nach Marx handelt es sich bei Nationen nur um ein „mit der kapitalistisch-bürgerlichen Welt heraufkommendes und mit ihr verschwindendes Prinzip“[2] – wurden doch in den Zwanziger Jahren unter Lenin aus pragmatischen Gründen im Zuge der „Korenizacija“ einige Zugeständnisse gemacht. Um Antagonismen zwischen den verschiedenen Ethnien in der Sowjetunion zu bekämpfen, sollten die „Entwicklungsunterschiede“ zwischen ihnen beseitigt werden. Eine Methode, um die hohe Analphabetenrate zu bekämpfen, war, jedem Kind Schulunterricht zunächst in seiner Muttersprache zu garantieren und dies nicht nur in den entsprechenden Republiken, in denen eine bestimmte Ethnie Titularnation war, sondern im Zuge der Nationalen Kulturautonomie überall dort, wo genügend Kinder für eine bestimmte muttersprachliche Schule vorhanden waren.

Das Prinzip der Nationalen Kulturautonomie verschwand aus der sowjetischen Politik gegen Ende der 30er Jahre. Nun bildete wieder Stalins Definition von Nation, die er schon 1913 in seinem Aufsatz „Marxismus und die nationale Frage“ festgelegt hatte, die Grundlage der sowjetischen Nationalitätenpolitik. Hierin heißt es,

„Eine Nation ist eine historisch entstandene stabile Gemeinschaft von Menschen, entstanden auf der Grundlage der Gemeinschaft der Sprache, des Territoriums, des Wirtschaftslebens und der sich in der Gemeinschaft der Kultur offenbarenden psychischen Wesensart“[3].

Er nennt vier Charakteristika von Nation und legt diese als Merkmale fest, denen jede Nation entsprechen muss. Er lässt die Religion als mögliches Charakteristikum außen vor und spricht Minderheiten ohne bestimmtes Territorium den Status als Nationen ab. Uwe Halbach von der Berliner „Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit“ (SWP) schreibt, dass sich hier ankündigt,

„was später in der Nationalitätenpolitik ihres Autors Praxis werden sollte: Geringschätzung ethnischer Kollektive, auf die jene ‚objektiven’ Nationskriterien nicht zutreffen und die deshalb der Assimilierung durch größere Nationen anheimfallen dürfen.“[4]

Aus der Betonung von Territorium als wichtigem Element von Nation ergaben sich eine Reihe von Konsequenzen: Als Nation anerkannte Ethnien wurden einem bestimmten Gebiet zugeteilt, wie die Tataren der Tatarischen SSSR, in dem sie gewisse Privilegien genossen, wie den Schutz ihrer Kultur oder das Recht auf eine eigene Sprache oder eigene Schulen. Sowjetbürger, die sich als Angehörige einer solchen Nation verstanden, aber außerhalb dieses Gebiets wohnten, wie Tataren außerhalb Tatarstans, genossen keine dieser Privilegien, ebenso wie „ethnische Gruppen“ ohne eigenes Territorium. Diese Politik bedeutete somit eine klare Abkehr vom Prinzip der Nationalen Kulturautonomie oder dem Nationsverständnis der Austromarxisten.

 

Unser zweiter Gast des Tages war Horst Hermann von der Berliner Gesellschaft der Freunde der Völker Russlands e.V. Er war maßgeblich an der Weiterentwicklung der Gedenkstätte Plötzensee beteiligt und hat dafür gesorgt, dass dort auch Musa Dschalil mit seinen tatarischen Mitgefangenen erwähnt wird. Außerdem hatte er an mehreren Friedensreisen seines Vereins teilgenommen, unter anderem an jener, bei der 25 Kriegsveteranen aus Moskau mit einem Bus nach Berlin gebracht wurden. Diese hatten eine Gedenktafel für Musa Dschalil vorbereitet, die eigentlich für die Gedenkstätte Plötzensee gedacht war. Nach mehreren Komplikationen mit dem Denkmalschutz hängt diese Tafel jetzt im Bendlerblock in der Gedenkstätte des deutschen Wiederstands in einem Seminarraum. Hermann hat auch persönlich Nachforschungen zu Musa Dschalil in Berlin unternommen, zum Beispiel hat er im Standesamt von Charlottenburg seine Todesurkunde gefunden.

 

Unser letzter Programmpunkt waren Auszüge aus dem Film „Die rote Kamille“. Interessant an diesem Film ist, dass ein deutscher Kommunist als Helfer Musa Dschalils hinzuerdacht wurde – vermutlich aus Propagandazwecken, weil die DDR auf dem Mythos basierte, von heroischen kommunistischen Widerstandskämpfern gegründet worden und somit der „bessere“ deutsche Staat zu sein.

Im Anschluss an den Film entspannte sich eine lebhafte Diskussion über Propaganda in der DDR und in der BRD und über die unterschiedlichen Wege der zwei deutschen Staaten, mit der Nazivergangenheit umzugehen. Es stellte sich erstmals deutlich heraus, dass auch in unserer Gruppe auf deutscher Seite noch sehr unterschiedliche Wahrnehmungen und Emotionen bezüglich der deutsch-deutschen Vergangenheit vorherrschen und es auch unserer Generation noch teilweise schwerfällt, von unrealistischen, anerzogenen Vorstellungen über die jeweilige Vergangenheit der „Anderen“ Abschied zu nehmen.


[1] Schützler, Horst (2005): „Der Große Vaterländische Krieg. Sichten und Einsichten im heutigen Russland.“ in: Icarus. Zeitschrift für soziale Theorie, Menschenrechte und Kultur. 11. Jahrgang: Heft 2/2005.

[2] Zitiert in Halbach, Uwe (1992): Das sowjetische Vielvölkerimperium: Nationalitätenpolitik und nationale Frage. Mannheim: BI-Taschenbuchverlag: S. 20.

[3] Stalin, Josef Wissarionowitsch (1952) [1913]: „Marxismus und die nationale Frage.“ in: ders.: Stalins Werke, Bd. 2. Berlin: Dietz Verlag: S. 272.

[4] Halbach 1992: S. 22.



Триалог-Проект «Разнообразие»: по следам Мусы Джалиля / Trialog-Projekt „Rasnoobrasie“: Auf Musa Džalils Spuren. by mieste
5 Januar 2008, 2:31 pm
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(Aus der Zeitschrift „Altabash“ Nr. 29, Dez. 2007, S. 9-13 und 22)

Von Mieste Hotopp-Riecke und Läysän Kälimullina / Мисте Хоттоп-Рике, Лейсан Калимуллина

 

 

В качестве введения: студенты из двух стран и Муса Джалиль

 

Как уже публиковалось в прошлом номере газеты, немецко-русско-татарская группа студентов, при поддержке «Geschichtswerkstatt Europa» Фонда «Память, ответственность, будущее» (Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft) – (EVZ) и Фонда Роберта Боша (RobertBoschStiftung), увлеченно занимается изучением феноменов «Миграция» и «Исторические образы». Данные феномены должны были быть сравнительно рассмотрены для различных временных отрезков 20-го века с татарстанской и немецкой перспективы. Вопросы выглядят следующим образом: как и почему изменялись представления об истории и миграции в ГДР, ФРГ и объединенной Германии с одной стороны, и в Советском Союзе и Российской Федерации, с другой? Какие взаимосвязи, влияния и различные изменения наблюдались у соответствующих «других» сторон. Для того, чтобы подойти к подобным вопросам практически, молодые исследователи выбрали определенную фигуру, на примере которой можно было бы рассмотреть все вопросы и который связывает наши страны и истории. Им для нас явился Муса Джалиль, поэт, антифашист, герой, отец, любящий человек. Рожденный в царской Российской Империи, ставший известным в Советском Союзе и лишившийся своей жизни в Германии.

 

Теоретическая часть: ученые рассуждают об историографии

 

Следуя по линии жизни Мусы Джалиля, по переменам, изломам и постоянным его жизненного пути, по видению группы Триалог, можно хорошо проанализировать такие темы, как образы истории, вторая мировая война, немецко-советские и русско-татарско-немецкие восприятия тех или иных событий. На основе семинаров, экскурсий и докладов совместной недели в Берлине мы представляем Вам некоторые дискуссии и возможные направления для дальнейшего развития нашего проекта.

В понедельник, 17.12.2007 в качестве вводного реферата мы прослушали доклад Господина проф. Хорста Шютцлера на тему «Историографические направления в России и Германии». Он изложил, как воспринимается сегодня в РФ Вторая мировая война и высказал мнение, что для российской политики по построению совместной идентичности данное историческое событие используется как важнейший объединяющий фактор. Именно победа над фашизмом, а не война сама по себе, является последней связью объединяющей коллективное сознание в Российской Федерации. В качестве гостя для последующей дискуссии был приглашен также господин Хорст Херманн. Он – как и Шютцлер – также является членом правления общества «Берлинские друзья народов России» и в этом качестве являлся одним из инициаторов почтения памяти Мусы Джалиля в памятном месте Плётцензее. Размышляя о советской победе, об отношении к героям и воспоминаниям завязалась живая дискуссия, в ходе которой стало ясно, что в обеих из наших стран существуют различные историографические подходы. В настоящей период в РФ победа в войне является важным моментом государственной политики в отношении истории, и в то же время книги, ставящие весь комплекс проблем Второй мировой войны вод знак вопроса, стали в России бестселлерами, отмечают германские ученые. Исследования ведутся в Германии, в общем, в отношении к СССР в целом, и Октябрьской революции, в частности. Отдельные немецкие историки пытаются подавать известные оценки новых результатов исследований нейтрально, в то время как другие, например, проф. Баберовский, с самого начала отказывают российским изменениям в любом эмансипирующем элементе, и даже опускаются до расистских тонов<!–[if !supportFootnotes]–>[1]<!–[endif]–>. Проф. Шютцлер и Господин Херманн передали нам для дальнейшей работы копии документов о смерти и почтении памяти Мусы Джалиля. При каждом пункте наших мероприятий мы старались думать о конкретных результатах нашего проекта: проведение выставки, Интернет-блога и книги. Поэтому мы собираем материалы уже во время единичных пунктов семинара.

 

Памятное место Плётцензее

 

При посещении памятного места Плётцензее нам стало очевидно, что концепции музеев-пямятников могут быть преломлены через отдельные инициативы: данные памятные места были запланированы и заложены как часть, а точнее, как внешняя часть, музея немецкого сопротивления, но сегодня там почитается память также и татарских, немецких, французских и других антифашистов, которых нельзя заключить в рамки немецкого сопротивления. Витрина с информацией о татарском сопротивлении существует лишь с 2002 года. После того как в 1995 году началась работа по данной теме, ответственным лицам недоставало последнего доказательства об антифашистской организации группы Мусы Джалиля. Господин Др. Йоханнес Тухел, директор Музея немецкого сопротивления, смог в 2001 году поделиться информацией: одна из протокольных записей военного суда рейха в Дрездене, где были приговорены татарские мужчины, была найдена в одном архиве в Праге и окончательно подтвердила: группа Муссы Джалиля была казнена за действия, направленные на подрыв оборонной мощи рейха, военную измену, пособничество врагу и дезертирство<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–>. Работа Хорста Хермана и ученого Абдулхана Ахтамзяна, профессора МГИМО<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> оправдала себя: теперь можно было также официально поминать об этих людях и в Плётцензее…

В качестве некоторого недостатка места ощущается отсутствие информационных материалов на немецком или русском языках. Брошюры и листовки были выложены только на французском языке.

 

В историческом парке «Тюрьма камерного типа Моабит»

 

Во вторник утром мы вместе с Хорстом Херманом посетили исторический парк «Тюрьма камерного типа Моабит», что находится напротив главного вокзала. Там были заключенными, кроме прочих, поэт Эрих Мюзам, «главный человек Кёпеника», Вильгельм Войгт и писатель Альбрехт Хаусхофер. На информационных досках, на информационных листовках , с таким трудом разысканных<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–>, и на соответствующей страничке в Интернете называются некоторые известные заключенные тюрьмы, но не Муса Джалиль<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–>. Фонд «Память, ответственность, будущее» совместно с финансированием проекта поставил перед нами задачу, рассмотреть возможность почтения памяти Мусы Джалиле в историческом парке. Чтобы иметь возможность дискутировать об этой идее, мы постарались получше рассмотреть надписи исторического парка, его архитектурное построение и влияние на ансамбль очень символичной одиночной камеры в пространстве парка. После того, как кто-то вступает вовнтрь бетонной камеры, начинают звучать стихи Хаусхофера из его «Моабитских сонетов». Может быть это также возможность привнести посетителям парка отрывки из «Моабитских тетрадей» Мусы Джалиля…?

 

На берлинском заводе тормозных механизмов Кнорр

 

Для дискуссии об исторических представлениях, конструкции прошлого и истории ГДР, в частности, мы воспользовались поездкой на завод тормозных механизмов Берлина „Knorr Bremse Berlin“. С одной стороны завод Кнорр был во время третьего рейха центром антифашистского сопротивления в Берлине, с другой – в то время как завод был еще восточногерманским и назывался VEB Bremsenwerk <!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> – там существовала блигада «Муса Джалиль». В то время как восточногерманский VEB Bremsenwerk являлся партнером комбината КАМАЗ до 1990 г., недавно было подписано новое совместное многомиллионное соглашение уже между заводом KnorrBremse Deutschland и КАМАЗом в Татарстане. Только одно это уже основа для интереснейшего разговора, думали мы.

 

По прибытию на тормозной завод, нас сердечно приветствовали исполняющая обязанности председателя правления завода Николь Шумахер (Nicole Schumacher) и предыдущий председатель правления Бодо Краузе (Bodo Krause). Во время нашей беседы мы достаточно быстро обнаружили, что во время предыдущих телефонных разговоров мы несколько не поняли друг друга. Мы, со стороны Триалога, например, ожидали узнать, кем было рекомендовано бригаде почетное имя «Мусы Джалиля», когда, и почему именно ей. По данным исследователя Мусы Джалиля Леона Небенцаля, бригада под этим именем существовала уже в начале 70-х гг<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–>. Но по информации Бодо Краузе, которой он располагал после некоторых разысканий на предприятии, бригада Мусы Джалиля возникла только после 1988 г. Дальнейшее «расследование» подобных случаев, таких, например, как посещение завода тормозных механизмов Аминой Джалиль не представляется, по словам господина Краузе, возможным, так как, при приеме завода бывшим владельцем из Мюнхена, архив завода был полностью уничтожен<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–>. Несмотря на все это, в результате этой экскурсии мы поняли для себя очень многое (см. http://rasnoobrasie.wordpress.com/).

 

Последняя помощь Джалилю

Также в рамках наших расследований о Джалиле в Берлине мы натолкнулись на один маленький музей в Гато (BerlinGatow). Там почитается память одного католического священника по имени Юритко (Jurytko), который во время второй мировой войны сопровождал приговоренных к казни в их последний путь. Как пишет Небенцаль в своей книге, он тайком проносил письма для Джалиля из тюрьмы и прятал у себя одного дезертира. Перед музеем мы видим строку: «Как это удивительно, когда один маленький камушек бывает брошен в воду, и неожиданно возвращаются откуда-то волны! Мы с удовольствием пополним нашу маленькую выставку Вашими вещами. […] Я с радостью вскорости встречусь с Вами, чтобы усовершенствовать нашу выставку. Наилучшие пожелания, Ульрих Райнике, Музей «Хлебный амбар» (MuseumKornspeicher“, AltGatow / Berlin“).

 

 

В Музее немецкого сопротивления Bendlerblock

Т.н. Bendlerblock также интересен нам в связи с нашей темой Мусы Джалиля, так как в одном из его кабинетов висит памятная доска с именами группы Джалиля, татарско-советских борцов сопротивления.

Во второй половине дня во вторник мы в рамках нашей программы в Берлине побывали в Музее немецкого сопротивления Bendlerblock<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–>, где мы имели возможность больше узнать о внутреннем немецком сопротивлении национал-социализму.

 

Под названием Бендлерблок понимается исторический комплекс зданий в самом сердце Берлина, который до 1945 года был связан с вооруженными силами. Центр Бендлерблока является сегодня памятником судьбе офицеров сопротивления, которые были расстреляны 20 июля 1944 г. На втором этаже исторического здания находится выставка, посвященная сложной истории и образам немецкого сопротивления.

 

Вся концепция выставки – это практическое и визуальное воплощение современного историографического метода, который представляет историю как сложное множество мнений и образов. Представления о различных общественных группах участников сопротивления подверглись в послевоенное время изменению. В ГДР почитали память коммунистов-борцов сопротивления, в ФРГ, напротив, военное сопротивление представителей среднего класса, объединенных вокруг фигуры Штауффенберга. Сегодня, в объединенной Германии, объединяются также оба взгляда на историю. Выставка дает таким образом возможность увидеть это изменение немецкого восприятия событий Второй мировой войны. Концепция выставки оспаривается некоторыми группами германского общества и находится в процессе постоянного изменения. Это отражает также сложность коллективной памяти о Второй мировой войне в сегодняшней Германии.

Выставка выстроена очень гибко к интересам посетителей: каждый может узнать больше именно о «своей» теме, для это в залах для распоряжения предоставлены тексты для чтения, фотографии и интерактивные материалы. В каждом отделе есть информационные листовки, которые любой человек может на свой выбор взять с собой и с удобством переплести дома в общую тетрадь. Только одна часть Сопротивления здесь не упоминается: сопротивление – активное и пассивное – которое оказывалось СС со стороны участников Восточных легионов Вермахта и «Восточнотурецких вооруженных объединений», и на той же на немецкой земле<!–[if !supportFootnotes]–>[10]<!–[endif]–>.

kopie-von-cimg2919.jpg bendlerblockii.jpg cimg2937-i.jpg bendlerblock.jpg cimg2926.jpg

Неотвеченные вопросы коллаборационизма

 

Следуя по следам Мусы Джалиля, связывающим различные стороны нашего семинара, нельзя не коснуться и сложной темы, обозначаемой советской историографией словом «коллаборационизм»<!–[if !supportFootnotes]–>[11]<!–[endif]–>. Из биографии Мусы Джалиля следует, что после пленения германскими войсками Муса Джалиль соглашается вступить в так называемый легион «Идель-Урал». В СССР Муса Джалиль был объявлен пропавшим без вести, а вскоре после окончания войны – предателем, коллаборационистом. Одно из серьезнейших исследований, касающихся вопроса «восточных легионов», проведено Искандером Гилязовым<!–[if !supportFootnotes]–>[12]<!–[endif]–>. Его работа опубликована под заглавием «Легион «Идель-Урал»» Татарским книжным издательством в 2005 г. По данным, приведенным И.Гилязовым, на стороне немецких вооруженных сил воевало только по официальной статистике не менее 700000 солдат и офицеров. По мнению автора, уже эта цифра заставляет усомниться в словах «предатель», «перебежчик», по отношению к явлению коллаборационизма. Само появление таких исследований также свидетельствует о том, что нельзя рассматривать «коллаборационизм» в черно-белых тонах, если мы хотим извлечь уроки из нашей истории. Человек должен бы задаться вопросами: что такое война? Что представляли из себя в то время Германия и СССР? Чем жили люди во время войны? Что толкало людей поступать так, а не иначе? Знаем ли мы правду? Имеем ли мы право осуждать или оправдывать? В состоянии ли мы понимать?

 

К счастью для Мусы Джалиля и его близких, нашлись его «Моабитские тетради», полные строк о любви к родине. Имя поэта было спасено, а сам он стал Героем Советского Союза. К сожалению, миллионы других (может быть, тоже героев?), вернувшихся в СССР живыми, были отправлены в сталинские лагеря.

 

Белая эмиграция

 

Тема «белой» и последующей эмиграции из СССР в Европу и другие страны, как и тема коллаборационизма, до сегодняшнего для является в РФ несколько «щекотливой». Ведь многие из эмигрантов на родине были объявлены «изменниками», и это грозило им, в том числе, и уголовным преследованием.

 

Известно, что Муса Джалиль во время своего нахождения в легионе “Идель-Урал” какое то время жил в Берлине, мог свободно передвигаться по городу, общаться с друзьями и знакомыми. В данной связи уместно говорить о двух волнах белой “миграции”, с представителями которых предположительно мог сталкиваться и общаться Муса Джалиль. Первая волна, которая и может быть названа белой миграцией в собственном значении этого слова, это люди, по тем, или иным причинам покинувшие Россию (а позже СССР) во время и вскоре после революции 1917 г. и до начала второй мировой войны. Среди татарских эмигрантов к ним можно отнести: Гаяза Исхаки, автора бестселлеров Медину Мамлееву<!–[if !supportFootnotes]–>[13]<!–[endif]–>, Алию Рахманову<!–[if !supportFootnotes]–>[14]<!–[endif]–> и многих многих других.

 

Вторая волна эмиграции – это граждане СССР, оставшиеся по тем или иным причинам в Германии после Второй мировой войны. Многие татары, принадлежащие к данной “второй волне”, были так или иначе задействованы в “восточном легионе” или других «восточных» организациях, к ним относятся, например, Тимурбек Давлетшин<!–[if !supportFootnotes]–>[15]<!–[endif]–> или основатели «Крымско-татарского землячества в Германии». Именно с представителями этого поколения эмигрантов общался больше всего Муса Джалиль, у одного из них, Абдуррахмана Шафи-Алмаза, он жил в качестве квартиросъемщика в Берлине-Шарлоттенбурге.

 

В качестве заключения: наша устная история

 

Наверное, одним из самых захватывающих моментов нашего семинара была тема т.н. «устной истории», которая напрямую соприкасается с темой «Образы, представления истории» и ее немецким синонимом «Geschichtsbilder». Сведения, почерпнутые нами из учебников, прессы, телевидения, рассказов родственников, друзей и знакомых превращаются в каждом сознании в нашу индивидуальную «устную историю», которую мы транслируем ежедневно окружающим. В течении берлинской недели проекта «Триалог», все отчетливее выявлялось, насколько же разные «картины» носим мы в нашей памяти, студенты, родившиеся в бывших ГДР, ФРГ, СССР и живущие сегодня в Германии и России. Клишеобразные выражения и понятия из масс-медиа и школьных учебников, неосознанно применяемые к «другой» стороне, то и дело мешали нам понимать друг друга. Поэтому имеет смысл поддерживать развитие образования и науки в России и Германии, студенческие и академические обмены, которые способствуют большему пониманию. Вероятно, один возможный шаг в этом направлении, поддерживать изучение и реформирование школьных учебников, которые и формируют наши первые «картины истории», которые порой остаются с нами до конца жизни. В любом случае, мы будем дальше исследовать, общаться, устраивать дискуссии: немцы, татары и русские, все вместе.

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<!–[endif]–>

<!–[if !supportFootnotes]–>[1]<!–[endif]–>Йорг Баберовский предполагает, что эта склонность к насилию берет начало из кавказского происхождения Сталина и многих его приспешников…“ см.: Norman Naimark: Revolution, Stalinismus und Genozid In: Oktoberrevolution, Приложение к газете Das Parlament, „Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Nr. 44-45/2007, S. 14-20, здесь: S. 17b.

<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–> См: Мустафин, Рафаэль: По следам оборванной песни, Казань: татарское книжное издательство. 2004, С. 283-386.

<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> MГИМО: Московский государственный институт международных отношений (Университет)

<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> Информационные листовки Исторического парка «Тюрьма камерного типа на улице Лертер» выложены только в одной из комнат городского представительства Берлина. При этом комната доступна для посетителей только четыре дня в неделю. В информационном центре „Berlin Tourist“ – «Туристический Берлин», в здании Главного вокзала, который отдален не далее чем на 100 метров от парка, брошюры вы не найдете.

<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–> Это обстоятельство Группа Триалог тем временем уже изменила. В рубрике „Известные заключенные“ по ссылке URL http://de.wikipedia.org/wiki/Zellengef%C3%A4ngnis_Lehrter_Stra%C3%9Fe сейчас значится и Джалиль.

<!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> После основания ГДР 7 октября 1949 года большинство предприятий страны были огосударствлены. Это произошло и с Заводом тормозных механизмов Берлина (Werk KnorrBremse Berlin) (но уже 1 апреля 1949 г.).

<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–> См.: Nebenzahl, Leon: „Mein Leben begann von Neuem. Erinnerungen an eine ungeöhnliche Zeit“ Berlin: Dietz-Verlag, 1985, S. 99-101.

<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–> Также в книге „Sicherheit auf Schiene und Strasse. Die Geschichte der KnorrBremse AG“ (Manfred Pohl, ВZürich, 2005) история ГДР косвенным образом «обесцвечивается» («удаляется с монитора»).

<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–> http://www.gdwberlin.de/

<!–[if !supportFootnotes]–>[10]<!–[endif]–> Сотрудники музея после некоторых размышлений обосновали отсутствие упоминаний о данном сопротивлении тем, что выставка охватывает сопротивление нацизму, оказанное только на германской территории.

<!–[if !supportFootnotes]–>[11]<!–[endif]–> Коллаборациони́зм (фр. collaboration «сотрудничество») — в юридической трактовке международного права осознанное и добровольное сотрудничество с врагом в его интересах и во вред своему государству – пример толкования термина из свободной энциклопедии Википедия.

<!–[if !supportFootnotes]–>[12]<!–[endif]–> Искандер Аязович Гилязов, к.и.н., декан факультета татарской филологии и истории Казанского государственного университета.

<!–[if !supportFootnotes]–>[13]<!–[endif]–> Она написала, среди прочих, и книги «Я открываю всю мою душу», «Шутки и мудрость татар» и др.

<!–[if !supportFootnotes]–>[14]<!–[endif]–> Автор «Молочница в Ottakring“, „Супружества во время красного штурма», «Студенты, любовь, ЧК и смерть»“.

<!–[if !supportFootnotes]–>[15]<!–[endif]–> Автор Татарско-немецкого словаря, автор книги «Советский Татарстан», Казань, Издательство «Жиен», 2005 г., сотрудник татаро-башкирской редакции Радио «Свобода», жил многие годы после окончания войны в ФРГ, Мюнхене.

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Einführung: Studenten aus zwei Ländern und Musa Džalil

 

Wie schon in der vorigen Ausgabe berichtet wurde, beschäftigt sich derzeit eine deutsch-russisch-tatarische Studentengruppe, gefördert durch die „Geschichtswerkstatt Europa“ der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) und der Robert-Bosch-Stiftung mit den Phänomenen „Migration“ und „Geschichtsbilder“. Diese Phänomene sollten komparativ aus tatarstanischer und deutscher Perspektive für mehrere Zeiträume des 20. Jahrhunderts bearbeitet werden. Also: Wie und warum veränderten sich Geschichtsbilder und Migration in der DDR, der BRD und dem wiedervereinigten Deutschland auf der einen Seite sowie der Sowjetunion und der Russländischen Föderation auf der anderen Seite? Welche Verbindungen, Einflüsse und unterschiedliche Entwicklungen gab es beim jeweils „Anderen“? Um solche Fragen praktisch angehen zu können suchten sich die jungen Forscherinnen ein Objekt, an dem man alle Fragen abarbeiten kann und welches unsere beiden Länder und die Geschichte beider Länder verbindet. Dies ist für uns Musa Džalil, der Poet, Antifaschist, Held, Vater, Liebender war. Geboren im Zarenreich, berühmt geworden in der Sowjetunion, aus dem Leben genommen in Deutschland…

Anhand der Vita von Musa Džalil, der Wechsel, Brüche und Konstanten in seinem Lebensweg können nach Ansicht der Trialog-Gruppe die Bereiche Geschichtsbilder, Zweiter Weltkrieg, deutsch-sowjetische und russisch-tatarisch-deutsche Wahrnehmungen gut analysiert werden.

Hier stellen wir anhand der Seminare, Exkursionen und Vorträge der gemeinsamen Woche in Berlin einige Diskussionen vor und welche Weiterentwicklungen es geben könnte.

 

Theoretischer Teil: Historiografie

 

Als Input-Referat hörten wir am Montag, dem 17.12, im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur einen Vortrag von Herrn Prof. em. Horst Schützler zum Thema „Historiografische Strömungen in Russland und Deutschland“. Er legte dar, wie der II. Weltkrieg heute in der RF rezipiert wird und stellte heraus, dass man für die dortige Identitätspolitik dieses historische Ereignis als wichtigsten einigenden Topus gebraucht. Der Sieg über den Faschismus, nicht so sehr der Krieg an sich, ist ein letztes einigendes Band für das kollektive Bewusstsein in der Föderation. Als Gast zur anschließenden Diskussion war auch Herr Horst Herrmann anwesend. Er ist – wie Schützler auch – im Vorstand der „Berliner Freunde der Völker Russlands“ tätig und in dieser Eigenschaft einer der Initiatoren der Musa-Džalil-Ehrung in der Gedenkstätte Plötzensee. Zum Gedenken an den sowjetischen Sieg, den Umgang mit Helden und Erinnerungen entspann sich eine lebhafte Diskussion, in deren Verlauf klar wurde, dass es in unseren beiden Ländern jeweils verschiedene historiografische Ansätze gibt. Während in der RF der Sieg und der Krieg ein wichtiges Moment der staatlichen Geschichtspolitik sind und gleichzeitig Bücher, die den ganzen Komplex II. Weltkrieg hinterfragen, relativieren oder verunglimpfen zu Bestsellern wurden, ist in der BRD eine ähnliche Entwicklung zu verzeichnen. Hier jedoch vor allem in Bezug auf die Sowjetunion als ganzes und der Oktoberrevolution im Speziellen. Einige deutsche Historiker versuchen bekannte Bewertungen durch Addition neuerer Forschungsergebnisse neutral zu bereichern, während Andere, wie z.B. Prof. Baberowski der Entwicklung in Russland von Anfang an jedes emanzipative Element absprechen, ja sich sogar zu rassistischen Tönen herablassen. Prof. Schützler und Herr Hermann übergaben uns für die weitere Arbeit Kopien von Dokumenten zum Tode und zu Ehrungen Musa Džalils. Bei jedem Veranstaltungspunkt sind wir gehalten, schon an das Ergebnis des Projektes zu denken: Eine Ausstellung, unser Web-blog und ein Buch. Deshalb sammeln wir schon während der einzelnen Programm-Punkte Material.

 

Gedenkstätte Plötzensee

 

Durch den Besuch der Gedenkstätte Plötzensee wurde uns deutlich, dass Konzeptionen von Gedenkorten emanzipativ aufgebrochen werden können: War diese Gedenkstätte als Teil bzw. Außenstelle der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ geplant und angelegt worden, sind heutigentags dort auch die tatarischen, italienischen, französischen und weiteren Antifaschisten geehrt, die nicht unter `Deutscher Widerstand` subsumiert werden. Die Vitrine mit Informationen zum tatarischen Widerstand existiert erst seit Oktober 2002. Nachdem 1995 die Arbeit an dem Thema begonnen wurde, fehlte den Verantwortlichen ein letzter Beweis für die antifaschistische Ausrichtung der Gruppe um Musa Džalil. Herr Dr. Johannes Tuchel, der Direktor der Gedenkstätte Deutscher Widderstand konnte 2001 dann mitteilen: Ein Aktenvermerk des Reichskriegsgerichtes Dresden, wo die tatarischen Männer verurteilt wurden, war in einem Archiv in Prag gefunden worden und bewies endgültig: Die Gruppe um Musa Džalil wurde wegen Wehrkraftzersetzung, Kriegsverrats, Feindbegünstigung und Fahnenflucht hingerichtet<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–>. Die Arbeit von Horst Hermann und den Wissenschaftler Abdulkhan Akhtamsjan vom MGIMO Moskau<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> hatte sich gelohnt: Nun konnte auch offiziell in Plötzensee an diese Menschen erinnert werden…

Als ein Manko vor Ort wurde fehlendes Informationsmaterial auf deutsch oder russisch empfunden. Broschüren und Faltblätter waren lediglich auf Französisch ausgelegt.

 

Im Geschichtspark „Zellengefängnis Lehrter Strasse“ (Moabit)

 

Am Dienstagmorgen besuchten wir gemeinsam mit Horst Herrmann den Geschichtspark „Zellengefängnis Moabit“ gegenüber des Berliner Hauptbahnhofes. Dort saßen unter anderem der Dichter Erich Mühsam, der „Hauptmann von Köpenick“ Wilhelm Voigt und der Schriftsteller Albrecht Haushofer ein. Auf den Informationstafeln, in den schwer zu findenden Faltblättern<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> und auf der entsprechenden Seite im Internet werden einige prominente Gefängnisinsassen erwähnt, jedoch nicht Musa Džalil<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–>. Die Stiftung EVZ gab uns mit der Finanzierung des Projektes den Auftrag, eine Möglichkeit des Gedenkens an Musa Džalil für das Zellengefängnis in der Lehrter Straße zu entwerfen. Um solchen Entwurf diskutieren zu können, registrierten wir genau die Beschriftungen des Geschichtspark, seine architektonische Gestalt und die Wirkung der mehr symbolischen Einzelzelle auf dem Gelände. Dort erklingen, nachdem man die Betonzelle betreten hat, Gedichte von Haushofer aus seiner „Moabiter Sonette“. Vielleicht eine Möglichkeit, den Besuchern auch Stücke aus dem „Moabiter Heft“ Džalils zu Gehör zu bringen…?

 

Im Knorr-Bremsenwerk Berlin

Zu einer Diskussion über Geschichtsbilder, Konstruktion von Vergangenheit und DDR-Geschichte im Speziellen wurde ein Ausflug zu den Berliner Bremsenwerken „Knorr Bremse Berlin“ genutzt. Einerseits war das Knorr-Bremsenwerk während des „Dritten Reiches“ ein Zentrum des antifaschistischen Widerstandes in Berlin, andererseits gab es dort – als es zu DDR-Zeiten noch das VEB Bremsenwerk<!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> war – die Brigade „Musa Džalil“. Während das VEB Bremsenwerk ein Partnerbetrieb des KAMAZ-Kombinates vor 1990 war, wurde vor drei Wochen erst ein millionenschweres Joint-venture–Abkommen zwischen der KnorrBremse Deutschland und KAMAZ in Tatarstan unterzeichnet. All dies genug Stoff für eine angeregte Unterhaltung meinten wir.

Im Bremsenwerk angekommen, wurden wir herzlich von der stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Nicole Schumacher und dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Bodo Krause empfangen. Bei unserem Gespräch stellte sich relativ schnell heraus, dass es im Vorfeld, bei den telefonischen Absprachen, einige Missverständnisse gegeben hat. Von Seiten der Trialog-Gruppe hatten wir zum Beispiel darüber Aufklärung erhofft, wie die Brigade des Bremsenwerkes an den Ehrennamen „Musa Dschalil“ geraten war und wann und warum gerade sie. Laut Angaben des Džalil-Forschers Leon Nebenzahl existierte die Brigade unter diesem Namen bereits Anfang der 70er Jahre<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–>. Doch laut Informationen, die Herr Krause bei innerbetrieblichen Recherchen erhielt, gab es die Džalil-Brigade erst seit 1988. Eine Recherche von weiteren Begebenheiten, wie der Besuche von Amina Džalil im Bremsenwerk sei nicht mehr möglich, da das komplette Betriebsarchiv bei der Übernahme durch den Münchener (Alt)Eigentümer vernichtet wurde<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–>. An der Übernahme des Betriebsarchives bei der Übernahme durch das westdeutsche Knorr-Bremsenwerk gab es keinerlei Interesse, die Menschen im Osten hätten andere Sorgen gehabt in den Jahren der Wende. Noch dazu wäre eine Sichtung und Kategorisierung der Dokumente sehr kostenintensiv gewesen. Unter den Bedingungen des freien Marktes sei solche Aufgabe nicht leistbar gewesen, so Krause. Jedoch betonte er auch immer wieder die soziale Großzügigkeit des Firmeninhabers Thiel, Geld sei genug da… Wir haben trotzdem eine Menge gelernt von diesem Besuch (siehe https://rasnoobrasie.wordpress.com/).

 

Džalils letzter Beistand

 

Ebenfalls im Kontext unserer Džalil-Forschungen in Berlin stießen wir auf ein kleines Museum in Berlin-Gatow. Dort wird an einen katholischen Pfarrer namens Jurytko erinnert, der während des II. Weltkrieges die Hinrichtungskandidaten auf ihren letzten Wegen begleitete. Wie Nebenzahl in seinem Buch beschreibt, schmuggelte er auch Briefe für Džalil aus dem Gefängnis und versteckte einen Deserteur bei sich. Vom Museum erhielten wir die Zeilen: „Es ist doch faszinierend, wenn man einen winzig kleinen Stein ins Wasser wirft, wie plötzlich die Wellen von irgendwo zurückkommen! Gern ergänzen wir unsere kleine Ausstellung mit Ihren Sachen.[…] Ich würde mich freuen Sie dann recht bald zu treffen, um unsere Ausstellung zu vervollkommnen. Liebe Grüße, Ulrich Reinicke, Museum „Kornspeicher“, Alt-Gatow / Berlin“.

 

Im Bendlerblock

 

Im Bezug zu unserem Thema Musa Džalil ist auch der sogenannte Bendlerblock interessant, wo in einem Seminarraum eine Tafel hängt, die an die tatarisch-sowjetischen Widerstandskämpfer um Džalil erinnert.

Dienstagnachmittags sind wir im Rahmen unseres Programms in Berlin in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Bendlerblock<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–>) gewesen, wo wir eine Besichtigung hatten, die uns die Möglichkeit gab, mehr über den einheimischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu erfahren.

 

Mit dem Namen Bendlerblock wird ein historischer Gebäudekomplex im Herzen von Berlin bezeichnet, der bis 1945 mit dem Militär verbunden war. Das Zentrum des Bendlerblocks ist heute der Erinnerungsort an das Schicksal der Widerstands-Offiziere, die am 20.Juli 1944 erschossen wurden. In der 2. Etage des historischen Gebäudes findet die Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand ihren Platz, die der komplexen Geschichte und den Bildern des Widerstehens gegen den Nationalsozialismus gewidmet ist.

 

Das gesamte Konzept der Ausstellung ist eine praktische und visuelle Realisation der modernen historiografischen Methode, die die Geschichte als eine vielfältige Menge der Meinungen und Bilder zeigt. Die Bilder der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen des Widerstands haben sich im Laufe der Nachkriegszeit verändert. In der DDR wurden vor allem Kommunisten im Widerstand geehrt, in der BRD dagegen vor allem der bürgerlich-militärische Widerstand um Stauffenberg. Nun in der vereinigten Bundesrepublik kommen im Bendlerblock beide Perspektiven zusammen. Die Ausstellung gibt damit die Möglichkeit, diese Veränderung im deutschen Wahrnehmen zu sehen. Das Konzept der Ausstellung ist in einigen Gruppen der deutschen Gesellschaft umstritten und im Prozess der permanenten Veränderung. Das widerspiegelt die Komplexität der gemeinsamen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg im heutigen Deutschland.

Das Konzept der Ausstellung ist sehr flexibel auf die Interessen der Besucher zugeschnitten: Jeder kann über sein Interessenfeld mehr erfahren, durch Lesematerialen, Bilder und interaktive Teile, die in den Sälen vorgestellt sind. In jedem Raum gibt es Informationsblätter, die man nach seiner Auswahl und Interesse mitnehmen und zu Hause bequem zusammenheften kann. Nur ein Teil des Widerstandes wird hier nicht erwähnt: Der Widerstand – aktiv wie passiv – der von Angehörigen der Ostlegionen der Wehrmacht und des „Osttürkischen Waffenverbandes“ (OTWV) der SS ausging, auch auf deutschem Boden<!–[if !supportFootnotes]–>[10]<!–[endif]–>.

 

 

Unbeantwortete Fragen zur Kollaboration

 

Auf den Spuren Musa Džalils wandelnd, dadurch unterschiedlichste Seiten unseres Seminars zusammenbindend, kann man auch ein komplexes Thema nicht vermeiden, welches in der sowjetischen Historiografie mit dem Terminus Kollaboration<!–[if !supportFootnotes]–>[11]<!–[endif]–> bezeichnet wird. Aus der Biografie von Musa Džalil folgt, dass er nach der Gefangennahme durch die deutsche Armee für die Idel-Ural-Legion der Deutschen Wehrmacht rekrutiert wird. In der UdSSR wurde Musa Džalil erst als Kriegsvermißter und nach dem Krieg als Verräter und Kollaborateur angesehen. Eine der wichtigsten Forschungen zum Thema Ostlegionen wurde von Iskander Gilyasow<!–[if !supportFootnotes]–>[12]<!–[endif]–> durchgeführt. Seine Arbeit wurde unter dem Titel „Legion Idel-Ural“ vom Tatarischen Buchverlag 2005 in Kasan herausgegeben. Nach Angaben von Herrn Dr. Gilyazov, haben auf der Seite der Wehrmacht nur nach offizieller Statistik etwa 700.000 Soldaten und Offiziere der UdSSR gekämpft. Nach Meinung des Autors, stellen schon diese Daten die Wörter „Verräter“ und „Überläufer“ in Bezug zum Phänomen der Kollaboration unter die Frage. Das Erscheinen solcher Forschungen spricht auch dafür, dass „Kollaboration“ nicht in schwarz-weißen Tönen gesehen werden darf, wenn wir von unserer Geschichte lernen wollen. Ein Mensch sollte sich eher Fragen stellen: Was ist ein Krieg? Was waren damals Deutschland und UdSSR? Wie haben die Menschen während des Krieges gelebt? Was hat die Menschen dazu gezwungen, einige Dinge so zu machen und nicht anders? Kennen wir die Wahrheit? Haben wir das Recht zu beurteilen? Sind wir im Stande, zu verstehen?

Zum Glück für Musa Džalil und den ihm Nahestehenden, wurden seine „Moabiter Hefte“ gefunden, voll von Wörtern der Heimatliebe. Der Name des Dichters wurde gerettet, er selbst wurde als Held der Sowjetunion geehrt. Zum Unglück sind Millionen von anderen (vielleicht, auch Helden?), die in UdSSR lebendig zurückgekommen waren in den stalinistischen Lager verschwunden.

 

Weiße Migration

 

Das Thema der „weißen“ und weiteren Migration aus der UdSSR nach Europa und anderen Ländern, wie auch das Thema der Kollaboration, ist bis heute in der RF umstritten. Viele der Emigranten wurden in der ehemaligen UdSSR als „Verräter“ bezeichnet und ihnen drohte unter anderem Strafverfolgung.

Es ist bekannt, dass Musa Dzalil während seines Aufenthalt in den „Legion Idel-Ural“ einige Zeit in Berlin gelebt hat. Er konnte sich frei in der Stadt bewegen, sich mit seinen Freunden und Bekannten unterhalten. In diesem Zusammenhang kann man über zwei Wellen der „weißen“ Migration reden, mit Vertretern denen Musa Džalil vermutlich begegenet war. Die erste Welle, die eigentlich in dem Sinne „weiße Migration“ genannt werden kann, sind die Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen während und bald nach der Oktoberrevolution und bis Anfang der II. Weltkrieges Sowjet-Russland (UdSSR) verlassen haben. Zu den tatarischen Migranten dieser Wellen zählen: Gayaz Ischaki, die Bestseller-Autorinnen Medina Mamleev<!–[if !supportFootnotes]–>[13]<!–[endif]–> und Aliya Rachmanova<!–[if !supportFootnotes]–>[14]<!–[endif]–> u.v.a.m.

 

Die zweite Welle der Migration sind die Bürger der UdSSR, die aus verschiedenen Gründen nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland geblieben sind. Viele Tataren, die zu dieser zweiten Welle gehören, waren oft in den „Ostlegionen“ der Wehrmacht oder anderen Ost-Institutionen tätig, so wie Tamurbek Dawletschin<!–[if !supportFootnotes]–>[15]<!–[endif]–> oder die Gründer der „Krimtatarischen Landsmanschaft in Deutschland“. Mit diesen Leuten hatte auch Musa Džalil am meisten Kontakte, bei einem von ihnen wohnte er zur Untermiete, bei Abdurrahman Schafi-Almas in Berlin-Charlottenburg.

Als Abschluss: Unsere Geschichte in Köpfen

Wahrscheinlich war das Thema „Oral History“, das direkten Bezug zu unseren „Geschichtsbildern“ hat, eines der interessantesten Momente unseres Seminars. Informationen, die wir aus Schulbüchern, der Presse, dem Fernsehen, Erzählungen von Verwandten, Freunden und Bekannten in uns speichern, verwandeln in jedem von uns das Bewusstsein in unsere individuelle „oral history“, die wir jeden Tag an die Umgebung weiter transferiert. Während der Berliner Woche des Trialog-Projekts wurde uns klar, was für unterschiedliche „Bilder“ wir in unseren Erinnerungen haben, wir die Studenten, die in ehemaligen DDR, BRD, UdSSR geboren sind und heute in Deutschland und Russland leben. Klischeemäßige Ausdrücke und Definitionen von Massenmedien und Schulbüchern, die nicht bewusst gegen die „andere“ Seite verwendet wurden, haben einige Male eine gemeinsame Verständigung verhindert. Deswegen wäre es sinnvoll, die Entwicklung der Ausbildung und Wissenschaft in Russländische Föderation und in Deutschland, studentische und akademische Austauschprogramme, die zu besserem gegenseitigen Verständnis führen, zu fördern. Vielleicht könnte die Unterstützung der Forschungen und die Novellierung der Schulbücher, die unsere erste und manchmal lebenslangen „Geschichtsbilder“ formieren, ein Schritt in diese Richtung sein. Wir werden auf jeden Fall weiter forschen, kommunizieren, diskutieren: Deutsche, Tataren und Russen gemeinsam.

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1 „Jörg Baberowski vermutet, dass dieser Hang zur Gewalt aus dem kaukasischen Hintergrund Stalins und vieler seiner Handlanger herrührte…“ siehe: Norman Naimark: Revolution, Stalinismus und Genozid In: Oktoberrevolution, Beilage der Zeitung Das Parlament, „Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Berlin, Nr. 44-45/2007, S. 14-20, hier: S. 17b.

<!–[if !supportFootnotes]–>[2]<!–[endif]–> Siehe: Mustafin, Rafael: Po sledam oborvannoj pesni, Kasan: Tatarskoe knižn. Izdat., 2004, S. 283-386.

<!–[if !supportFootnotes]–>[3]<!–[endif]–> MGIMO – MГИМО: Moskauer Staatsinstitut für Internationale Beziehungen (MGIMO-Universität) / Московский государственный институт международных отношений (Университет)

<!–[if !supportFootnotes]–>[4]<!–[endif]–> Die Faltblätter zum Geschichtspark „Zellengefängnis Lehrter Straße“ liegen lediglich in eienem Raum der Stadtmission Berlin aus. Dieser ist jedoch nur an vier Tagen in der Woche zugänglich. Im Informationszentrum „Berlin Tourist“ des Hauptbahnhofes keine 100 Meter entfernt findet man die Broschüre jedoch nicht

<!–[if !supportFootnotes]–>[5]<!–[endif]–> Dies hat die Trialog-Gruppe mittlerweile geändert. In der Rubrik „Berühmte Inhaftierte“ unter der URL http://de.wikipedia.org/wiki/Zellengef%C3%A4ngnis_Lehrter_Stra%C3%9Fe ist nun auch Džalil verzeichnet.

<!–[if !supportFootnotes]–>[6]<!–[endif]–> Nach Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 wurden dort die meißten Privatbetriebe verstaatlicht. So auch das Werk KnorrBremse Berlin (aber schon am 1. April 1949).

<!–[if !supportFootnotes]–>[7]<!–[endif]–> Siehe: Nebenzahl, Leon: „Mein Leben begann von Neuem. Erinnerungen an eine ungeöhnliche Zeit“ Berlin: Dietz-Verlag, 1985, S. 99-101.

<!–[if !supportFootnotes]–>[8]<!–[endif]–> Auch im Buch „Sicherheit auf Schiene und Strasse. Die Geschichte der Knorr-Bremse AG“ (Manfred Pohl, Zürich, 2005) wird die DDR-Geschichte quasi ausgeblendet. Lediglich die ersten Jahre nach Gründung von BRD und DDR sowie die letzten zwei Jahre der DDR werden erwähnt.

<!–[if !supportFootnotes]–>[9]<!–[endif]–> http://www.gdw-berlin.de/

<!–[if !supportFootnotes]–>[10]<!–[endif]–> Die Mitarbeiter gaben nach einigem Überlegen als Grund für das Fehlen dieses Widerstandes in der Ausstellung an, dass nur Widerstand auf deutschem Territorium berücksichtigt wurde.

<!–[if !supportFootnotes]–>[11]<!–[endif]–> Kollaboration (fr. collaboration «Zusammenarbeit») — im juristischen Sinne des Völkerrechts ist dies die bewusste und freiwillige Zusammenarbeit mit dem Feind in seinem Interesse und zum Schaden für das Heimatland – (aus der russischen Wikipedia).

<!–[if !supportFootnotes]–>[12]<!–[endif]–> Iskander Ayasowitsch Gilyasow, Ph. D. Geschichte., Dekan der Fakultät für tatarische Philologie und Geschichte an der Kasaner Staatsuniversität.

<!–[if !supportFootnotes]–>[13]<!–[endif]–> Sie schrieb unter anderem “Ich öffne meine ganze Seele“, „Witz und Weisheit der Tataren“ u.a.

<!–[if !supportFootnotes]–>[14]<!–[endif]–> Autorin von „Milchfrau in Ottakring“, „Ehen im roten Sturm“, „Studenten, Liebe, Tscheka und Tod“ u.a.

<!–[if !supportFootnotes]–>[15]<!–[endif]–> Autor des Tatarisch-Deutschen Wörterbuches, des Buches „Sowjetisches Tatarstan“, Kasan, Verlag „Жиен, 2005, u.a., Mitarbeiter der Tatarisch-Baschkirischen Redaktion bei „Radio Azatliq“ (Radio Liberty), hat viele Jahre in der BRD, in München, gelebt.

 



Musa-Dshalil-Archiv der Projektgruppe „Rasnoobrasie“ by mieste
3 Januar 2008, 2:09 pm
Filed under: Unser Archiv

In diesem Archiv sind Materialien zu finden, die bisher noch nicht oder bereits nicht mehr allgemein zugänglich sind und uns im Kontext unseres Forschens und Diskutierens zu Händen kamen. Dies betrifft sowohl Archivmaterialien, als auch ältere Artikel, zeitgenössische Dokumente und Fotos zu den Themenblöcken „Geschichtsbilder“ und „Migration“ nicht ausschließlich aber vornehmlich mit Bezugnahme auf Musa Dshalil.

Die deutsche Musa-Dshalil-Forschung nahm 1955 ihren Anfang. In der Zeitschrift „Sowjet-Literatur“ erschienen die ersten Gedichte in deutscher Übersetzung in der DDR, die Franz Leschnitzer besorgte. Im gleichen Heft findet sich der erste Artikel auf deutsch über Musa Dshalil von Juri Korolkow. Dieser Artikel inspirierte den Dolmetscher und Journalisten Leon Nebenzahl zu Nachforschungen über die näheren Todesumstände von Musa Dshalil und seiner Gefährten. Erstes Ergebnis dieser Forschungen war der Artikel „Der Tod des tatarischen Dichters Mussa Dshalil“ von 1967 in der „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ (XV. Jg., Heft 3, S. 459-461). Im Jahre 1984 dann erschien Nebenzahls Buch „Mein Leben begann von Neuem“ aus dem wir die Dshalil-relevanten Kapitel mit freundlicher Genehmigung des Dietz-Verlages Berlin online stellen. Dies trifft auch zu für den Beitrag „Auf den Spuren Mussa Dshalils“ im Sammelband „Im Zeichen des Roten Sterns – Erinnerungen an die Traditionen der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ aus dem Jahre 1974. Für Anregungen und Recherchetipps danken wir dem Dshalil-Forscher Horst Herrmann aus Berlin und der jüngsten Tochter von Musa Dshalil, Frau Tschulpan Shalilova in Moskau.

Neuere zeitgenössische wissenschaftliche Artikel etwa aus „Osteuropa“ und „Osteuropa spezial“ oder populärwissenschaftliche Artikel aus tatarischen und russischen Zeitschriften unterliegen in den meisten Fällen noch dem Urheberschutz. So können und sollen unten gelistete Scans keinen Anspruch auf einen Status einer abgeschlossenen Materialsammlung erheben, sondern Anlass geben, uns als Wissenschaftler dabei zu unterstützen, rares Material für alle Interessierten zusammenzustellen. Die im Internet zugänglichen Informationen und Quellen haben wir im Internet-Archiv zu Musa Dshalil zusammengestellt.

Mieste Hotopp-Riecke, Mag. Art. / Läisän Kalimullina, M.oec.


Hier erschienen erstmals die Gedichte „Gebirgsfluss“, „Dem Henker“ und „Traum“. In: Sowjet-Literatur, Nr. 9, September 1955, S. 130-132.

Korolkow, Juri: Leben und Tod Mussa Dshalils. In: Sowjet-Literatur, Nr. 9, September 1955, S. 151-156.

Dies sind die Kapitel „Nachforschungen über Jahre“, „In einer Front“, „Die Einladung nach Kasan“, „Endgültige Klarheit“, „Amina Dshalil in unserer Republik“ und „In der DDR auf Friedenswacht“ (S. 94-112).

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Aus „Sowjet-Literatur“, 9, 1955, S. 151-154 (Ausgabe Berlin):

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Aus „Sowjet-Literatur“, 9, 1955, S. 130-132, 151-154 (Ausgabe Moskau):

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Aus „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“, 1967, Heft 3:

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Leon Nebenzahl: Die letzten Tage von Musa Dshalil. In: Literaturnaja Gazeta, Moskau, 10. Januar 1959, Nr. 5 (3971), S. 4.

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Aus: „Mein Leben begann von Neuem“ von Leon Nebenzahl, Dietz-Verlag Berlin, 1985.

img025.jpg img024.jpg img023.jpg img022.jpg img021.jpg img020.jpg img019.jpg img018.jpg img017.jpg img016.jpg img015.jpg nebenzahl123

Aus: Neue Deutsche Literatur, Berlin: Aufbau / Deutscher Schriftsteller-Verband, Nr. 2, 1966, S. 111/112.

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Aus: Troika – Informationsblatt der Berliner Freunde der Völker Russlands, Dezember 2005, S. 6.

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Aus: Verhangen war mit Tränenrauch – Gedichte gegen Faschismus und Krieg. Berlin: Volk& Welt, 1. Aufl., 1981, S. 27.

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Aus: Bertugan – Eine unabhängige tatarisch-baschkirische Kulturzeitschrift, Weiler am Rhein: Verlag Bertugan, Nr. 1 / Februar 2006, S. 1-10.

Bertugan_Februar06

Aus: Yana Dunya, 19. Februar 2006, S. 4 [Crimean Tatar Weekly „New World“], Author: Ablyaziz Veliyev.

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Aus: Milliyat (Die Nation), Nr. 1, März 2007, S. 2Unabhängige Zeitschrift des Weltkongresses der Tataren, erschienen als Beilage von Татарские Новости / Tatarskie Novosti (Tatarische Nachrichten), Moskau, Nr. 3 (152) 2007.

Der Autor Röstäm Gaynetdinov ist Referent für Außenbeziehungen des Weltkongesses der Tataren und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der Republik Tatarstan.

Jenakajew, Rawil: Das Moabiter Heft. In: Sowjetliteratur, Nr. 1, 1986, S. 131-134.

Neuere Veröffentlichungen:

Heller, Klaus / Göckenjan, Handgerd / Gilyazov, Iskander / Gimadejew, Ilschat / Plamper, Jan:  Die heutige nationale „Wiedergeburt“ der Tataren in Rußland. Forschungsprojekte im Rahmen der Universitätspartnerschaft Gießen-Kasan. In: Lauterbach, Christel (Red.): Spiegel der Forschung, Gießen: JLU, Nr. 1, Juni 2001, S. -89. (Online unter URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2007/4038/pdf/SdF2001_1-S84-89.pdf)