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Mussa Dshalil als sowjetischer Held / Муса Джалиль – герой Советского Союза by gretichka
16 Juli 2007, 12:36 pm
Filed under: Unser Archiv

vatan-ocin.jpg Vatan öčin [Fürs Vaterland] aus: „Musa Džalil“, Kasan: Tatarstan Kitap Näšriyatı, 1976.

Am 26. April 1953 wurden in der Sowjetunion die ersten sechs Gedichte der Moabiter Hefte, die Mussa Dshalil im Berliner Gefängnis Moabit verfasste und die sein belgischer Freund Andre Timmermanns bewahrt hatte, veröffentlicht. In den vielen Biographien, literaturwissenschaftlichen und propagandistischen Werken über seine Person als Heldendichter des Sozialismus, die seitdem in der Sowjetunion und in Russland erschienen sind, wird Mussa Dshalil als patriotischer, optimistischer, mutiger, würdevoller, unerschrockener und talentierter Dichter beschrieben, der bis zuletzt ungebrochen im Sinne der sozialistischen Idee handelte. Brezhnev zählte ihn zu den sowjetischen Helden, die ein „Symbol für unbeugsamen Willen und Standhaftigkeit“ seien. 1956 wurde er posthum zum Helden der Sowjetunion ernannt und ein Jahr später als erster Dichter mit dem Lenin-Orden geehrt.
In der Erinnerung an Mussa Dshalil als Held der Sowjetunion wird sein Tod als Märtyrertod für die Freiheit und Unabhängigkeit des sowjetischen Staates sowie für die Befreiung der Völker aller Länder vom Faschismus1 dargestellt. Sein Lebensweg, besonders sein frühes politisches Engagement im Komsomol, soll zeigen, dass er sich nicht nur als Dichter, sondern vor allen Dingen als gesellschaftlicher und politischer Akteur und seine Poesie als einen Teil der proletarischen Sache begriff.2
In den meisten Veröffentlichungen, z.B. in Sammelbänden über Kriegshelden, wo Dshalil erwähnt wird, kann man lesen, dass er sich zwei Tage nach Kriegsbeginn bei der Roten Armee meldete und sogleich an der Front kämpfte. Andere Erinnerungen, z.B. die des ebenfalls in deutsche Gefangenschaft geratenen tatarischen Soldaten Tamurbek Dawletschin, überliefern, dass Dshalil eingezogen wurde und zu einer sechsmonatigen Ausbildung zum Politruk3 beordert wurde.4 Was hier lediglich Teil des Heldenmythos ist und was den historischen Tatsachen entspricht, ist eine zu klärende Frage. Eine weitere Frage ist die nach der Politik des Kasaner Militärkommissariats. Welche Funktion sollte Dshalil im Krieg erfüllen? Mit welcher Motivation wurde der Leiter des tatarischen Schriftstellerverbandes, der zuvor noch nie eine Waffe in der Hand gehalten hatte, zum Wehrdienst ausgebildet?
Eine andere solche Frage stellt sich nach der Rolle Dshalils im Aufstand, den die von den Deutschen aus nicht-russischen Kriegsgefangenen gebildete Truppe, die gegen die Rote Armee kämpfen sollten, gegen die Nazis vollführten. Er wird zum großen Teil als Mussa Dshalils Verdienst überliefert. Dokumente und Erinnerungen ließen sich hierzu nicht ausfindig machen.
Bei der Betrachtung der Überlieferung, die Dshalil heute als Helden zeichnet und der zahlreichen Erinnerungen an ihn stellt sich eine Frage: Wie wäre Dshalil behandelt worden, wenn er als ehemaliger Kriegsgefangener in die Sowjetunion zurückgekehrt wäre? Tausende von sowjetischen Kriegsgefangenen wurden bei der Rückkehr in ihre Heimat hingerichtet. Wie wäre man mit Dshalil verfahren?

26 апреля 1953 были опубликованы в Советском Союзе первые шесть стихотворений тетрадей Моабита, которые Муса Джалиль сочинил в Берлинской тюрьме Моабит и которые сохранил бельгийский друг Андрэ. Во многих биографиях, литературно-научных и пропагандистских произведениях о его личности как героическом поэте социализма, которые появились с тех пор в Советском Союзе и в России, Муса Джалиль описывается как более патриотический, оптимистичный, мужественный, достойный, неустрашимый и талантливый поэт, который действовал до самого конца непрерывно согласно социалистической идее. Брежнев принимал в расчет его к советским героям, которые явились бы „символом непреклонной воли и стойкости“. В 1956 он был назван героем Советского Союза и год спустя был награжден орденом Ленина как первый поэт. В воспоминаниях о Мусе Джалиле как герое Советского Союза смерть представляется в качестве смерти мученика за свободу и независимость советского государства, а также за освобождение народов всех стран от фашизма. Жизненный путь, особенно раннее политическое обязательство в комсомоле, должен показывать, что он себя не только как поэт, но, прежде всего, и как общественный и политический участник проявил, и его поэзия считается частью пролетарской вещи.

Во многих публикациях, например, в сборниках о герое войны, где упоминается Джалиль, можно прочитать, что он через 2 дня после начала войны был представлен Красной армии и боролся на фронте. Другие воспоминания, например, попавшего татарского солдата Тамурбека Давлетшина, передают, что Джалиль был втянут и откомандирован к шестимесячному образованию к Политруководству. Что здесь является лишь частью героического мифа и что соответствует историческим фактам, является выясняемым вопросом. Следующий вопрос касается политики Казанского армейского комиссариата. Какую функцию должен был выполнять Джалиль на войне? С какой мотивацией руководитель татарского союза писателей, который никогда еще не держал раньше оружие в руке, обучался военной службе? Другой такой вопрос ставится после участия Джалиля в восстании, где немцами была образована труппа из нерусских военнопленных, которые должны были бороться против Красной армии, против нацистов. Он передано в значительной степени как заработок Мусы Джалиля. К тому же документы и воспоминания нельзя было разыскивать. При рассмотрении предания, которое изображает Джалиль, сегодня как герое и многочисленных воспоминаний о нем ставится вопрос: что было бы с Джалилем, если бы он возвратился как бывшие военнопленные в Советский Союз? Тысячи советских военнопленных были казнены при возвращении на родину. Как поступили бы с Джалилем?

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2 Kommentare so far
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Es ist bis jetzt eine Grosse Frage ob Dshalil ein Held oder Verraeter war. Es scheint manchmal, dass egal wie die Warheit in der Wirklichkeit aussieht, es so in der „Tradition“ ist ueber Ihn als einen Helden zu denken. Mann hat aus Ihn eine „heilige Kuh“ gemacht, dessen Heldentuhm nicht zu bestreiten ist. Die Revision der Kriegsgeschichte insgesamt ist eine sehr heisse Frage, diese aber ist noch mit der so genannten „Nationalfrage“ verbunden und damit noch heisser gemacht.

Das selbe kann man ueber die „Prometey“ Bewegung sagen.

Kommentar von boulat

2006 habe ich in der Schule 72 Schulpraxis gemacht. Schwer zu glauben, aber Ehemann meiner Deutschlehrerin (Raisa Hakomovna Salilova) war der Sohn von M. Dshalil. Sie ist darauf klar sehr stolz.
Ihre Schueler lernen Gedichte von M. Dsahlil auf Deutsch und Russisch, nehmen mit diesen Gedichten erfolgreich an verschiedenen Wettbewerben teil. Haben auch an dem Konzert „100 Jahre seit der M. Dsahlil’s Geburt“ in der Nationalbuecherei der RT im Oktober 2006 teilgenommen. Ich war auch dabei.

Kommentar von marthadh




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